Naturmedizin – das klingt nach sanfter Medizin, die bei unterschiedlichsten Beschwerden helfen kann, ohne die Nebenwirkungen der Pharmaindustrie. So lautet zumindest die gängige Meinung. Aber auch Naturheilmittel können nicht nur erfolgreich helfen, sondern auch gefährlich werden. Welche Mittel Sie bei Beschwerden erfolgreich einsetzen können und von welchen Sie lieber die Finger lassen sollten, erkläre ich Ihnen in diesem Beitrag.

Kopfschmerzen

Was Ihnen hilft: Pfefferminzöl. Geben Sie dies lokal auf die Haut, regt es bestimmte Kälte- und Druckrezeptoren an. Wird es höher konzentriert angewandt, wirkt es auch auf Schmerz- und Wärmerezeptoren. Dadurch wirkt es so gut gegen Schmerzen: Es hemmt Schmerz-Botenstoffe, die bei der Entstehung von Kopfschmerzen eine große Rolle spielen.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Pestwurz. Sie wird gerne zur Vorbeugung in der Migränebehandlung eingesetzt. Pestwurz-Pflanzenextrakte können allerdings die beiden Stoffe Petasin und Isopetasin enthalten. Beide Stoffe erhöhen das Risiko für Leberschäden deutlich. Aus diesem Grund sind Pestwurz-Mittel mit diesen beiden Wirkstoffen in Deutschland nicht zugelassen. Verwenden Sie Präparate aus dem Ausland, sollten Sie darauf achten, dass beide Stoffe nicht in den Mitteln enthalten sind.

Angst und innere Unruhe

Was Ihnen hilft: Lavendelöl. Der Grund: Angst und Unruhe sind Folgen von bestimmten biochemischen Körpervorgängen. Dabei ist der Reizfilter in Ihrem Nervensystem stark überlastet, es kommt zu einer sehr heftigen Erregung der Nervenzellen. Folge sind Angst, Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen. Lavendel beruhigt die gereizten Nerven und kann dadurch diese Symptome deutlich lindern. Hinzu kommt, dass der sogenannte schmalblättrige Lavendelextrakt auch Angst und Unruhesymptome bessern kann, die bei einer depressiven Verstimmung auftreten.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Kava-Kava-Extrakt. Er soll bei Angst und auch bei unruhigen Zuständen helfen. Aber er steht immer wieder im Verdacht, Leberschäden zu erzeugen. Infolge dessen wurde vom Bundesministerium für Arzneimittel die Zulassung für Medikamente mit Kava-Kava widerrufen. Ein Rechtsstreit folgte. Ich rate Ihnen, diese Mittel generell zu meiden, um Leberschäden zu verhindern.

Sodbrennen

Was Ihnen hilft: Heilerde. Die Ursache von Sodbrennen ist darin zu suchen, dass nach einem (üppigen) Essen zu viel Magensäure produziert wird, die dann zurück in die Speiseröhre fließt. Dabei kommt es zu brennenden Schmerzen. Heilerde hat die Fähigkeit, die überschüssige Magensäure zu binden.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Kamille. Auch Kamille hat einen sehr positiven Effekt bei Sodbrennen und kann helfen. Allerdings ist Kamille hoch allergen – dies gilt auch für Extrakte und Tinkturen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker, durch Kamille einen allergischen Anfall zu bekommen. Aber auch bei Menschen, die bisher noch nie Allergien hatten, kann durch Kamille ein Allergieschub ausgelöst werden.

Prostataprobleme

Was Ihnen hilft: Brennnesselwurzel-Extrakt. Er kann die Folgen einer gutartigen Prostatavergrößerung wie häufigen Harndrang und Probleme beim Wasserlassen eindämmen. Der Grund dafür sind spezielle Inhaltsstoffe des Extraktes, die das Wachstum der Prostata reduzieren können. Studien haben gezeigt, dass bis zu 81 Prozent aller Betroffenen eine deutliche Verbesserung ihrer Probleme verspüren, wenn sie Brennnesselwurzelextrakt regelmäßig einnehmen.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Sojaprodukte. Forscher hatten lange Jahre gehofft, dass Sojaprodukte jeglicher Art dabei helfen, die Entstehung von vergrößerter Prostata und Prostatakrebs zu verhindern. Doch neue, groß angelegte amerikanische Studien haben gezeigt, dass Soja zwar der Prostatavergrößerung entgegenwirkt, dagegen hat sie keinen schützenden Effekt auf das Prostatakrebsrisiko. Im Gegenteil, sie kann Krebszellen sogar zum Wachstum anregen.

Atemwegsinfekte

Was Ihnen hilft: Eukalyptus. Er gilt als Geheimwaffe gegen Atemwegsinfekte. In Tierversuchen konnte er sogar Grippeviren stoppen. Grund dafür ist das im Eukalyptus enthaltene Cineol. Dieser hochwirksame Bestandteil ist zudem effektiv gegen Schnupfen und Mumps-Viren.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Meerträubel. Auch dies wird immer wieder bei Atemwegsinfekten empfohlen. Der Grund dafür ist Ephedrin, ein besonders starkes Stimulans. Es wirkt zwar gegen Atemwegsinfekte. Aber es hat gravierende Nebenwirkungen. Ephedrin kann den Pulsschlag gefährlich erhöhen, Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum Schlaganfall auslösen und Leberschäden verursachen.

Trockene Haut

Was Ihnen hilft: Hamamelis. Trockene Haut entsteht nämlich dann, wenn die Fettproduktion der Talgdrüsen nachlässt. Dadurch wird die Haut an sich brüchiger und Feuchtigkeit verflüchtigt sich. Die Hamamelis liefert der Haut Fett und verhindert so, dass die Feuchtigkeit entweichen kann. Zudem verhindert sie Juckreiz und Entzündungen.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Aloe Vera. Es stimmt zwar, dass Aloe Vera sogenannte Polysaccharide enthält. Diese können der Haut Feuchtigkeit spenden – damit werden aber nur die Symptome verringert. Die Ursache, das fehlende Fett, wird nicht beseitigt.

Magen-Darmprobleme

Was Ihnen hilft: Artischockenextrakt. Er wird heute fast schon standardmäßig bei Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen eingesetzt. Grund für die Wirksamkeit des Extrakts sind die enthaltenen Stoffe Cynarin und Caffeoylchinasäure. Beide Stoffe regen die Produktion von Gallenflüssigkeit in der Leber an. So können auch die Enzyme in der Bauchspeicheldrüse die Nahrungsfette deutlich besser verstoffwechseln.

Wovon Sie die Finger lassen sollten: Auch Blaubeeren werden als positiv bei Magen-Darm-Problemen gesehen. Doch sie können einen gefährlichen Nebeneffekt haben: Sie sind in der Lage, den Blutzuckerspiegel deutlich abzusenken. Dadurch kommt es zu starken Konzentrationsproblemen und körperlicher Schwäche.