Wer rastet, der rostet. Das gilt auch für Ihr Gehirn. Ganz klar: Ihre Gehirnzellen müssen ein Leben lang herausgefordert und animiert werden. Sitzen Sie irgendwann nur noch vor dem Fernseher, rosten Sie nicht nur körperlich ein. Auch Ihre Gehirnleistung lässt messbar nach. Deshalb: Bleiben Sie geistig fit, indem Sie Neues lernen. Das muss gar nicht anstrengend sein. Mit meinen Strategien wird es Ihnen Spaß machen, unbekannte Dinge zu entdecken, zu verstehe

n und zu behalten. Nur Mut – lernen Sie los!

So eignen Sie sich spielend neues Wissen an

Immer wieder trifft man auf Menschen, die allgemein mit einem Begriff bezeichnet werden: Intelligenzbestien. Sie können sich Zusammenhänge schnell merken und saugen neues Wissen auf wie ein Schwamm. Dabei haben sie meist gar keinen außergewöhnlich hohen Intelligenzquotienten. Vielmehr haben sie nur Spaß am Lernen, Freude daran, Neues zu erfahren. Sie lesen auch im Alter noch mehrere Zeitungen, denken sich in neue Zusammenhänge hinein und haben keine Angst vor unbekannter Technik.

Solche Menschen sind leider die Ausnahme. Doch sie haben begriffen, was in der Schule heute immer noch nicht gelehrt wird: Lernen ist ein lebenslanger Prozess – und er funktioniert nur gut, wenn Sie Freude daran haben.

Schalten Sie Ihren mentalen Fluchtreflex ab

Viele Menschen lassen sich geistig leider mit Antilopen vergleichen. Wird Antilopen ein bunter Ball vorgelegt, laufen sie weg. Das ist ein Reflex, mit dem Lebewesen auf etwas Unbekanntes reagieren, das ihnen Angst einjagt. Dieser Reflex lässt sich beim Menschen immer dann beobachten, wenn er auf ihm unverständliche Dinge trifft. Das kann das neue Handy sein, das viele unbekannte Funktionen hat, oder aber ein komplizierter Satz in einem Zeitungsartikel. Dann setzt auch beim Menschen der Fluchtreflex ein: Vorsicht, es wird kompliziert, das könnte ich nicht verstehen, ich könnte etwas kaputtmachen…Und schon wird das Handy oder die Zeitung zur Seite gelegt.

Was ist in dieser Situation passiert? Ihr Gehirn, das sich mit einer fremden Situation konfrontiert sah, hat Stresshormone ausgeschüttet: Adrenalin und Noradrenalin. Die beiden Hormone blockieren die Nervenzellen im Gehirn und legen die Synapsen lahm. So wird Ihre Denkfähigkeit blockiert. Jetzt hilft es auch nicht mehr, wenn Sie wieder und wieder versuchen, den Sachverhalt zu verstehen. Im Gegenteil: Der Druck erzeugt nur noch mehr Stress, es erfolgt eine noch größere Hormonausschüttung – bis es zum absoluten Blackout kommt.

Vier Strategien, mit denen Sie Freude am Lernen haben

Sie sehen: Druck ist nicht die richtige Methode, um neue Dinge zu erlernen. Vielmehr müssen Sie dafür sorgen, dass Lernen für Sie zum Vergnügen wird. Mit meinen vier Strategien funktioniert das garantiert.

  • Lassen Sie sich unterhalten.

Lernen in der Schule war eine ernsthafte Sache. Kluge Bücher und Vokabeln, die Sie auswendig lernen mussten, machen keinen Spaß und werden Sie auch als Erwachsenen nicht davon überzeugen, dass Lernen Freude machen kann. Gehen Sie doch einfach ungewöhnliche Wege. Viele so genannte Jugendromane sind Bücher, aus denen Sie etwas lernen können. Denken Sie nur an Jules Verne. Der Visionär bringt Ihnen in seinen Büchern spielend Naturwissenschaften näher. Karl May greift gerade in seinem Orientzyklus immer wieder das Verhältnis der Religionen untereinander auf. Und interessieren Sie sich eher für Geschichte, Architektur oder Archäologie, finden Sie mittlerweile eine ganze Reihe historischer Romane, die Ihnen einen Einblick in die damalige Alltagswelt geben.

Normalerweise bin ich ein Freund ausgeschalteter Fernsehapparate. Aber einmal pro Woche sollten Sie sich Zeit reservieren: für die ersten zehn Minuten der „Sendung mit der Maus“. Auch im hohen Alter können Sie hier viel lernen – oder wussten Sie vor dem legendären Maus-Beitrag, wie die Streifen in die Zahnpasta kommen?

Darüber hinaus gibt es mittlerweile sehr gute Dokumentationen im Fernsehen. Hier werden komplizierte Sachverhalte anschaulich erklärt.

  • Lernen Sie mit allen Sinnen.

Diese Art des Lernens haben Sie schon einmal für sich genutzt: als kleines Kind. Damals konnten Sie noch nicht lesen. Aber Sie haben eine Sprache gelernt – indem Sie sie immer wieder gehört haben. Sie haben Dinge angefasst, in den Mund gesteckt oder daran gerochen. Entdecken Sie diese kindliche Neugierde wieder. Lernen Sie am Objekt. Machen Sie Städtereisen, gehen Sie in Ausstellungen. Wollen Sie eine Fremdsprache lernen? Dann lernen Sie mit allen Sinnen. Schauen Sie sich einen Film im Original mit deutschen Untertiteln an. Hören Sie Lieder in der entsprechenden Sprache, gehen Sie essen, und lassen Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes die Speisekarten-Vokabeln auf der Zunge zergehen. So bauen Sie eine enge Beziehung zu der noch fremden Sprache und dem Land auf – und auch das lästige Vokabellernen fällt Ihnen dann viel leichter.

  • Probieren Sie Neues einfach einmal aus.

Sicherlich kennen Sie die Ausnahme-Lebensläufe: Schulabbrecher, die dennoch außerordentlich erfolgreich geworden sind. Deren Geheimnis: Sie haben immer zugegriffen, wenn sich eine Chance bot. Sie sind aktiv geworden, haben sich ausprobiert. Versuchen Sie es auch! Schreiben Sie zum Beispiel einfach einmal drauf los: über ein Thema, das Sie interessiert. Oder bauen Sie etwas, auch wenn Sie vorher noch nie handwerklich tätig waren. Das nennt man „learning by doing“ – lernen Sie, indem Sie einfach etwas ausprobieren.

  • Spielen Sie.

Spielerisch gelernt haben wir schon als Kinder. Quelle 123rf

Spielerisch gelernt haben wir schon als Kinder. Quelle: 123rf

In der Lernforschung gilt mittlerweile, dass spielerisches Lernen das effektivste Lernen ist, das es gibt. Es ist die einzige Methode, die das Gehirn völlig ausnutzt. Spielen ist zudem das Gegenteil von Stress. Es wird kein Druck erzeugt. Im Gegenteil: Sie haben Spaß an Ihrer Tätigkeit und merken gar nicht, wie Sie sich neue Erkenntnisse einprägen. Der Markt für Wissensspiele ist groß. Längst gibt es nicht mehr nur die klassischen Kreuzworträtsel. Es gibt Fremdsprachenkurse, Zaubertrainer oder Quizspiele zu allen möglichen Themenbereichen.