Autofahren bedeutet für viele Menschen ein Stück Freiheit. Umso schlimmer, wenn das Alter, eventuell Erkrankungen drohen, einem diese Freiheit zu nehmen. Doch bedeutet höheres Lebensalter automatisch „Schluss mit freier Fahrt“?

Fahren auf Zeit – das gibt es in Deutschland nicht. Anders als in den Niederlanden oder in Italien, wo der Führerschein nur befristet ausgegeben wird, dürfen Sie bei uns Auto fahren, so lange Sie können und wollen. Das ist gut so, denn immerhin bewahren Sie sich so auch im Alter die Chance auf ein eigenständiges Leben.

Unfallhäufigkeit: Bei älteren Menschen wirklich gering?

Dennoch flackert immer einmal wieder der Begriff „Senioren-TÜV“ auf. Ältere Menschen sollen durch eine Gesundheitsprüfung und anhand der Ergebnisse dann entschieden werden, ob sie noch weiter fahren dürfen. Schnell werden dann offizielle Zahlen ins Spiel gebracht. Argumentiert wird, dass nur rund 15 Prozent der Unfälle mit Personenschaden auf das Konto älterer Menschen über 64 Jahre gehen, obwohl diese 20 Prozent der Bevölkerung stellen.

Leider ist es nicht so einfach. Älteres Menschen fahren seltener Auto bzw. legen kürzere Strecken zurück als jüngere. Deshalb lassen sich diese Zahlen nicht so einfach vergleichen. Belegt ist aber, dass das Unfallrisiko ab 75 Jahre generell deutlich ansteigt. Es ist dann doppelt so hoch wie bei Menschen zwischen 30 und 60 Jahren. Bei Fahrern, die Ende 80 sind, ist das Unfallrisiko mit dem von Fahranfängern vergleichbar.

Älteres Ehepaar im Auto

Älteres Ehepaar im Auto

Nachlassende Fähigkeiten schlecht fürs Autofahren

Fakt ist, dass Sie im Alter bestimmte Dinge nicht mehr so gut können wie junge Menschen: Seh- und Hörvermögen lassen nach, auch die Reaktionsfähigkeit ist beeinträchtigt. Viele ältere Menschen können den Verlust bzw. das Nachlassen dieser Fähigkeit einige Zeit lang kompensieren. Sie fahren langsamer, meiden Fahrten im Dunkeln oder zu Stoßzeiten, bei Schnee oder Regen. Dementsprechend passieren Unfälle weniger durch zu schnelles Fahren, sondern eher zum Beispiel beim Wenden, Abbiegen oder Rückwärtsfahren.

Warnzeichen für mangelnde Verkehrstauglichkeit

Natürlich ist es schwer, seine eigenen Fähigkeiten objektiv einzuschätzen. Und wahrscheinlich wollen Sie Ihre Freiheit, mit dem Auto unabhängiger zu sein, auch nicht so einfach aufgeben. Doch es gibt einige Warnzeichen, die Sie darauf aufmerksam machen können, dass sie nicht mehr ausreichend fahrtüchtig sind. Diese sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Zu diesen Anzeichen gehört:

  • Sie fahren auf der Autobahn weit unter der Richtgeschwindigkeit, aus Angst, dass Sie nicht rechtzeitig auf Gefahrensituation reagieren können (und erhöhen dadurch das Unfallrisiko auch für andere Verkehrsteilnehmer)
  • andere Autofahrer hupen Sie häufig an
  • regelmäßig überfahren Sie „dunkelgelbe“ oder rote Ampeln
  • Verkehrszeichen erkennen Sie zu spät
  • ständig fahren Sie zu dicht auf
  • Linksabbiegen oder Spurwechsel machen Sie nervös

Wenn Sie solche Verhaltensweisen oder Vorkommnisse bei sich feststellen, sollten Sie darüber nachdenken, das Auto nur noch begrenzt einzusetzen. Sie sind dann nämlich nicht nur für sich selbst eine Gefahr, sondern auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Alternativ können Sie auch noch einmal einen Auffrischungskurs in der Fahrschule besuchen. Diesen bieten fast alle Fahrschulen heute an. Das Programm eines solchen Kurses wird individuell festgelegt.

Sie können also genau das trainieren, was Ihnen Probleme bereitet oder Angst macht. Zudem erhalten Sie vom Fahrlehrer Verbesserungsvorschläge, die Sie nach und nach in Ihren Fahr-Alltag einfließen lassen können und sollten.

Eine solche Stunde, die meist 90 Minuten umfasst, kostet je nach Stadt und Fahrschule rund 50 Euro. Alternativ dazu gibt es auch spezielle Fahrsicherheitstrainings für Senioren. Diese werden zum Beispiel vom örtlichen TÜV oder vom ADAC angeboten. Sie dauern einen bis zwei Tage (Preis je nach Dauer zwischen 50 und 150 Euro). Hier lernen Sie in ruhiger Atmosphäre und unter Gleichaltrigen, wie Sie in Gefahrensituationen mit Ihrem Auto umgehen und wie sich Ihr Auto in bestimmten Situationen verhält.