Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall – all dies können Folgen von Übergewicht sein. Dementsprechend wird von den Ärzten häufig empfohlen abzunehmen – so viel, bis der Body-Mass-Index im Normalbereich liegt. Sicherlich, das wäre wünschenswert. Allerdings erscheint dies für die Betroffenen häufig so unerreichbar, dass sie erst gar nicht damit anfangen, abzunehmen. Kleinere Ziele wären durchaus motivierender. Aber machen diese überhaupt Sinn?

10 % Gewichtsabnahme reduziert Gesundheitsrisiken um 125 %

Forscher der Universitätsklinik Tübingen haben sich genau mit dieser Frage befasst. Ihnen lagen Daten aus der Tübinger „Lebensstil Interventionsstudie“ vor. Diese werteten sie aus und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis. Haben Sie zum Beispiel einen BMI von 35 und nehmen Sie 10 % Ihres Gewichts ab, verringern Sie Ihr Risiko für schwere Erkrankungen um 125 %! Die meisten Menschen, so die Forscher, die diese 10 % abnehmen, gelten als „metabolisch gesund“. Dies bedeutet: Sie haben immer noch einen BMI von über 30 und leiden damit immer noch an Adipositas. Allerdings leiden sie nur noch an einem der Risikofaktoren Bluthochdruck, gestörter Fettstoffwechsel, gestörter Kohlenhydratstoffwechsel, Bauchfettsucht, erhöhter Blutzucker, Fettleber.

Die Forscher aus Tübingen vergleichen die 10 % der Gewichtsabnahme und den daraus resultierenden Gesundheitsschutz als „niedrig hängende Frucht“. Sie sei, so die Wissenschaftler, nicht extrem leicht zu ernten. Allerdings ist sie deutlich einfacher zu erlangen als die hoch hängenden Früchte – und es ist einfacher, sich hierauf zu konzentrieren als gleich die höchsten Früchte ernten zu wollen.

Dennoch weisen die Forscher darauf hin, dass es natürlich ein langfristiges Ziel sein sollte, weiter abzunehmen und das Gewicht deutlich zu verringern. Denn auch, wenn man als „metabolisch gesund“ gilt, ist das Krankheitsrisiko immer noch deutlich erhöht. Gegenüber Menschen, die Normalgewicht aufweisen, ist das Erkrankungsrisiko von Menschen mit einem BMI über 30 immer noch um 25 % erhöht, gerade was Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck angeht.