Gerd T. kam recht verzweifelt in meine Praxis. Sein Arzt hatte ihn darauf hingewiesen, dass seine Nierenwerte schlecht seinen. Auf Dauer würden die Organe so einen irreparablen Schaden nehmen. „Aber was soll ich tun, Herr Doktor?“ Ich zeigte ihm sechs sehr einfache Regeln für gesunde Nieren. Und diese möchte ich auch mit Ihnen teilen, damit auch Sie Ihre Nieren dauerhaft gesund erhalten können.

Ohne Nieren läuft nichts in Ihrem Körper. Die beiden Organe dienen Ihrem Körper als Filteranlage, die dafür sorgt, dass nur Schadstoffe ausgeschieden werden. Lebensnotwendige Stoffe werden wieder in den Körperkreislauf zurückgeschickt. Dazu laufen bei einem gesunden Menschen rund 150 Liter Harn pro Tag durch die Nieren. Über ein kompliziertes Röhrensystem in den Organen wird diese Menge dann konzentriert und ausgefiltert  – circa 1,5 Liter Urin blieben übrig, die Sie dann über den Tag verteilt ausscheiden. Die restliche Menge, bestehend aus Wasser, Salzen und Mineralstoffen, verwendet der Körper erneut. So helfen die Nieren nicht nur bei der Entgiftung des Körpers, sie sorgen auch für das richtige Gleichgewicht der Salze im Körper und regulieren sogar Ihren Blutdruck.

Die große Gefahr einer Nierenerkrankung: Sie kommt im Stillen

Die einzigen Erkrankungen, die Sie sofort spüren, sind Koliken oder Entzündungen. Hier haben Sie Schmerzen an Nieren und Blase, teilweise auch Fieber. Bei einer Entzündung finden Sie manchmal Blut im Urin. Chronische Nierenerkrankungen haben im frühen Stadium gar keine Symptome – oder so allgemeine, dass Sie diese den Nieren nicht zuordnen. Hierzu zählen

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Mangelnder Appetit.

Erst im fortgeschrittenen Stadium verspüren Sie einen gesteigerten Harndrang – bis zu drei Liter Urin bildet sich jeden Tag. Bei einem gesunden Menschen sind es zwischen 0,5  und 1,5  Litern. Dann sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen und Ihre Nieren untersuchen lassen.

Diabetiker müssen besonders auf ihre Nieren achten

Risikofaktor Nummer eins für Nierenerkrankungen ist ein Diabetes. Denn durch den hohen Blutzucker werden die Nierenkörperchen geschädigt und können so den Urin nicht mehr richtig filtern. Stoffe, die normalerweise im Körper verbleiben sollten, werden mit ausgespült. Nach und nach werden die Schäden in den Nieren immer größer, schließlich vernarben die Nierenkörperchen und kommen ihrer Funktion überhaupt nicht mehr nach. Dann liegt ein chronisches Nierenversagen vor. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist dann die Dialyse, die künstliche Blutwäsche. Eine Maschine muss die Aufgaben der Nieren übernehmen. Sie müssen dann regelmäßig zu dieser Behandlung.

Vorsicht: Antibiotika sind der Feind Ihrer Nieren!

Durch die Filterfunktion passieren auch Stoffe die Nieren, die Schäden hervorrufen können. Dies sind zum Beispiel Inhaltsstoffe von Medikamente wie zum Beispiel Schmerzmittel, aber auch Antibiotika, die intravenös genommen werden müssen, können Ihre Niere schädigen. Wenn bei Ihnen so eine Behandlung ansteht, sollten Sie regelmäßig Ihre Nieren untersuchen lassen. So kann ein akutes Versagen dieses Organs schnell ausgeschlossen werden. Weitere Ursachen für ein Nierenversagen sind übrigens

  • hoher Blutverlust, zum Beispiel bei einem Unfall,
  • akute Senkung des Blutdrucks oder
  • Vergiftungen, etwa durch Lebensmittel oder Alkohol.

6 einfache Tipps halten Ihre Nieren gesund

Es gibt, teils ganz einfache, Methoden, mit denen Sie Ihre Niere gesund halten können. Aber vielleicht werden sie gerade deshalb oft vernachlässigt, weil sie eben so einfach sind?

1. Trinken Sie genug.

Als gesunder Mensch sollten Sie bis zu 2,5 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen. Davon müssen Sie rund 1,5 Liter trinken, zum Beispiel Mineralwasser oder Früchtetee. Den Rest der Flüssigkeit nehmen Sie über Ihre Nahrung zu sich.

2. Vorsicht, wenn Sie Dialyse-Patient sind!

Für Sie gilt: Auf keinen Fall zu viel trinken. Denn bei Dialysepatienten ist die Wasserausscheidung gestört, manchmal wird gar kein Wasser mehr ausgeschieden. Stattdessen sammelt sich die Flüssigkeit im Körper. Dieser kann in der Zeit zwischen der Dialyse, bei der das Wasser wieder entzogen wird, maximal 5 % des eigenen Körpergewichts an Wasser aufnehmen. Die für Sie als Dialysepatient erlaubte Trinkmenge können Sie ganz einfach selbst berechnen: Sie addieren zu der Restmenge, die Ihre Nieren ausscheiden, 500 ml hinzu. Die Restmenge kann Ihnen Ihr Arzt nennen. So erhalten Sie Ihre maximale Tagestrinkmenge.

3. Vorsicht bei Blutarmut!

Wenn Ihr Arzt Blutarmut bei Ihnen feststellt, sollten Sie ihn nach einer geeigneten Behandlung fragen. Denn diese Krankheit, auch Anämie genannt, ist ein Risikofaktor für eine Nierenerkrankung. Mit geeigneter medikamentöser Therapie können Sie Ihr Krankheitsrisiko deutlich senken. Zuvor empfehle ich Ihnen aber, es mit Brottrunk zu versuchen – auch er regt die Blutbildung an.

4. Senken Sie Ihre Blutfettwerte.

Das gelingt Ihnen durch regelmäßige Bewegung. Hohe Blutfettwerte verschlechtern die Nierenfunktion.

5. 120:80 mmHG ist Ihre goldene Zahl

– Ihr Blutdruck sollte diese Werte nicht überschreiten. Auch zu hohen Blutdruck senken Sie durch Sport. Bewegen Sie sich mindestens dreimal pro Woche 30  Minuten  – joggen, walken oder Rad fahren empfehle ich Ihnen. Hoher Blutdruck verachzehnfacht Ihr Risiko einer NierenerkrankungHören Sie auf zu rauchen! Auch wenn es nicht leicht fällt, sollten Sie die Glimmstängel zur Seite legen. Raucher sind sehr anfällig für Nierenerkrankungen. Das gilt übrigens besonders für Diabetiker. Wenn Sie Diabetes haben und rauchen, verlieren Ihre Nieren 5 ml/min an Filtrationsfähigkeit pro Jahr.

6. Lassen Sie Ihren Blutzucker als Diabetiker regelmäßig überprüfen.

Ist Ihr Zucker gut eingestellt, können Sie Schädigungen der Nieren verzögern oder sogar verhindern. Durch eine Ernährungsumstellung, indem Sie auf Kohlenhydrate verzichten, können Sie Ihre Blutzuckerwerte darüber hinaus völlig natürlich verbessern und Ihre Nieren schonen. Gerd T. half eine Kombination aus genügend Trinken, ausreichend Sport und Verringerung seiner Blutfettwerte  – seine Nieren haben sich innerhalb von einem halben Jahr erholt.

Bei älteren Menschen sind die Nieren besonders gefährdet

Auch viele ältere Menschen leiden unter akutem Nierenversagen. Sie trinken meist zu wenig, weil das Durstempfinden im Alter nachlässt. Hinzu kommen dann häufig Entwässerungstabletten. Diese sind für das Herz meist unumgänglich, zusammen mit einer zu geringen Trinkmenge kommt es aber zur Austrocknung. Die Nieren arbeiten nicht mehr richtig oder überhaupt nicht mehr. In diesem Fall kann Ihnen aber sehr leicht geholfen werden: Sie bekommen von Ihrem Arzt eine Salzlösung gespritzt, diese animiert Ihre Nieren, die Funktion wieder auszuüben. Besser aber wäre es, wenn es gar nicht so weit kommt. Da viele Nierenerkrankungen erst festgestellt werden, wenn es zu spät ist, empfehle ich Ihnen, Ihren Urin selbst regelmäßig auf Eiweiß zu untersuchen. Ist dieses im Urin vorhanden, ist das ein erstes Warnzeichen für eine Nierenerkrankung. Teststäbchen, mit denen Sie Ihren Urin selbst überprüfen können, erhalten Sie in der Apotheke. Sie kosten rund 2 € – Ihre Nierengesundheit sollte Ihnen das wert sein.