Kohlgemüse, egal welcher Art, hat seinen Ruf weg: Es ist ein Arme-Leute-Essen, stinkt, verursacht Blähungen und bleibt daher häufig im Regal liegen. In anderen Ländern dagegen stehen sein Reichtum an Vitalstoffen und seine Heilkraft an erster Stelle, so dass diesem Gemüse ungewöhnliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. So werden in Griechenland die Babys nicht vom Storch gebracht, sondern im Kohlfeld gefunden. Fakt ist, dass Kohl wie kein anderes Gemüse Ihre Zellen schützen kann, gleichzeitig Bakterien abtötet und in der Krebsvorbeugung eine wichtige Rolle spielt. Ich erkläre Ihnen diese Schutzwirkung genauer, damit Sie dieses Wintergemüse genießen können.

Die Auswahl an Kohl ist groß. Sie werden erstaunt sein, wie viele Sorten es gibt: Sie können wählen aus Blumenkohl, Chinakohl, Rosenkohl, Rotkohl oder Kohlrabi – um nur einige zu nennen. Ihnen allen gemeinsam ist der große Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen. 49 verschiedene dieser wichtigen Stoffe wurden bisher im Kohl identifiziert.

Pflanzenstoffe schützen Sie vor Brustkrebs

Und diese Pflanzenstoffe bleiben nicht ohne Wirkung. Sie sind sogar in der Lage, Sie vor Krebs zu schützen. Denn sie verhindern die Angriffe von freien Sauerstoffradikalen und halten dadurch Ihre Körperzellen gesund. Gezeigt hat sich, dass diese Stoffe auch eine hormonartige Wirkung haben und damit dem Krebs entgegenwirken, der hormonabhängig ist. Am interessantesten für die Wissenschaftler ist sicherlich Sulforaphan. Dieser Stoff ist vor allem im Brokkoli enthalten. Er ist in der Lage, die Teilung von Brustkrebszellen zu verhindern. Das haben Wissenschaftler im Tierversuch nachgewiesen – und entwickeln zurzeit ein Medikament aus diesem Stoff. Auch vor Prostatakrebs können die sekundären Pflanzenstoffe im Kohl Sie schützen.

Verhindern Sie die Ausbreitung gefährlicher Magenkeime

Sulforaphan kann aber noch mehr. Dem Stoff, der zu den Senfölen gehört, konnte eine antibiotische Wirkung nachgewiesen werden. Er ist in der Lage, einen gefährlichen Magenkeim zu verhindern: den Helicobacter pylori. Dieser Keim kann zu Magengeschwüren und sogar zu Magenkrebs führen. Sulforaphan blockiert den Stoffwechsel dieses Keims und ist so in der Lage, seine Vermehrung im Magen-Darm-Bereich zu verhindern.

Eine Kohlsaftkur schützt Magen und Darm

Auf dieser antibiotischen Wirkung des Kohls beruht übrigens auch die Wirksamkeit von Kohlsäften gegen Magenbeschwerden. Diese Säfte können Sie im Reformhaus kaufen. Sie können Kohl mithilfe einer elektrischen Saftpresse aber auch selbst auspressen und sich Ihren Kohlsaft zum Schutz für Magen und Darm selbst herstellen.

Trinken Sie bei akuten Beschwerden pro Tag mehrfach ein Glas des Saftes – insgesamt sollten Sie einen Liter Kohlsaft pro Tag zu sich nehmen. Vier bis sechs Wochen lang sollten Sie den Saft täglich trinken.

Kohlverbände schützen Sie vor Infektionen

Weitere hilfreiche Stoffe im Kohl sind die so genannten schwefelhaltigen Glucosinolate, Abbauprodukte der sekundären Pflanzenstoffe. Sie sorgen nicht nur für den markanten Kohlgeschmack. Vielmehr helfen sie auch bei Entzündungen. Davon können Sie zum Beispiel profitieren, wenn Sie Kohlblätter, die Sie vorher mit dem Nudelholz platt gewalzt haben, auf schmerzende oder entzündete Gelenke legen.

Carotinoide schützen Sie vor Zivilisationskrankheiten

Vor freien Radikalen schützen Sie auch die Carotinoide, von denen alle Kohlsorten reichlich mit sich bringen. Die bekanntesten sind das Beta-Carotin, Lykopin und Zeaxanthin. Sie sind auch die Stoffe, die in der größten Menge im Kohl enthalten sind. Diese freien Radikalen verhindern Schäden an Ihren Körperzellen und -gefäßen. So kann Kohl gleichzeitig noch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Zivilisationskrankheiten senken.

Schützen Sie Ihr Augenlicht mit Lutein

Auch das Lutein gehört zu den sekundären Pflanzenstoffen, die im Kohl enthalten sind. Es findet sich überwiegend in den grünen und dunkelgrünen Kohlsorten. Während Rotkohl also recht wenig davon mitbringt, sind Wirsing oder Brokkoli sehr reich an Lutein. Dieser sekundäre Pflanzenstoff wird gerne auch Augenvitamin genannt. Viele Studien haben gezeigt, dass der Stoff Ihr Augenlicht schützen kann, da er in der Lage ist, grauen Star und Makuladegenerationen vorzubeugen.

So ist Ihr Kohl wirklich frisch

Damit Sie von all diesen gesundheitlichen Wirkungen des Kohls profitieren können, ist es wichtig, dass Sie ihn so frisch wie möglich einkaufen. Neben dem Vitalstoffverlust ärgern Sie sich bei zu altem Kohl sonst nämlich auch über schlechten Geschmack. Eine Ausnahme ist Sauerkraut. Dieses können Sie, wenn Sie es nicht selbst herstellen, in Gläsern kaufen. Leckeren Kohl erkennen Sie daran:

  • Die Schnittstelle ist frisch, kaum eingetrocknet und nicht verfärbt.
  • Die äußeren Blätter sind knackig. Sind sie eher weich und labberig, dazu bräunlich oder gelblich, lassen Sie den Kohl liegen.
  • Der Kohl wird unverpackt verkauft. So können Sie seine Frische testen – es wird Ihnen kein alter Kohlkopf untergemogelt. Zudem fängt verpackter Kohl schnell an zu schimmeln und zu faulen.
  • Wählen Sie Bio-Produkte. Diese werden frisch geerntet und sind unbelastet – gerade bei Grünkohl und Wirsing aus konventionellem Anbau werden zu viele Pestizide eingesetzt.

Entscheidend ist dann die Lagerzeit bei Ihnen zu Hause. Denn jeder Tag, an dem Ihr Kohl unverarbeitet liegen bleibt, raubt ihm Vitalstoffe. Besser ist es, wenn Sie den Kohl schnell klein schneiden, blanchieren, abschrecken und portionsweise einfrieren. Gerade die Wintersorten Wirsing, Grünkohl, aber auch Kohlrabi werden durch die Kälte beim Einfrieren leichter verdaulich und schmecken besser. Zudem bleiben viele Vitamine so erhalten. Dann können Sie den Kohl sogar bis in den nächsten Frühling oder Sommer hinein verwahren – er hält sich eingefroren rund acht bis zehn Monate.

Scheuen Sie sich davor, Kohl selbst zuzubereiten? Es gibt inzwischen viele Kohlsorten als Tiefkühlgemüse zu kaufen. Dies ist eine gute Alternative, solange es sich um reinen Kohl handelt. Lassen Sie aber die Finger von Fertiggerichten – hier hat der Kohl kaum noch wertvolle Inhaltsstoffe!