Am Anfang sind es nur winzige Vergesslichkeiten, wie die Pantoffeln, die aus unerfindlichen Gründen im Kühlschrank landen. Aber mit solchen Zerstreutheiten beginnen jedes Jahr 150.000 Alzheimer-Erkrankungen beziehungsweise Demenz. Noch immer gibt es kein Heilmittel und keine wirkliche Vorbeugung. Aber es gibt Risikofaktoren, die Sie eindämmen können – ich möchte Ihnen zeigen, welche das sind.

Oft wird eine Demenzerkrankung erst entdeckt, wenn schon viel der Gehirnleistung verloren gegangen ist. Quelle: 123rf

Oft wird eine Demenzerkrankung erst entdeckt, wenn schon viel der Gehirnleistung verloren gegangen ist. Quelle: 123rf

Das Tückische an Alzheimer ist die Zeit, die sich die Krankheit lässt, bevor sie erste Symptome zeigt. Es können bis zu 30 Jahren seit Krankheitsbeginn vergehen und erst dann zeigen sich erste Gedächtnislücken. Sie können Informationen dann nicht mehr wirklich speichern, vergessen, was Sie gerade getan haben, oder fragen bzw. erzählen immer wieder dasselbe. In diesem Stadium sind dann allerdings schon 20 % Ihrer Gehirnleistung zerstört. Deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig alle Risikofaktoren für diese schleichende Krankheit auszuschalten.

Alzheimer-Verdacht: Verschwenden Sie keine Zeit

Wichtig ist, dass die Erkrankung so früh wie möglich erkannt wird, denn die Medikamente, die es heute schon gibt, greifen am besten im Anfangsstadium der Erkrankung. Entdeckt wird Alzheimer durch eine Kombination aus Diagnoseverfahren. Neurologen haben bestimmte Fragebögen, die Sie mit Ihnen durchgehen. So wird zum Beispiel geprüft, ob Sie sich noch Begriffe merken können oder Sprachstörungen vorliegen. Durch eine Kernspinthomographie kann man erkennen, ob bestimmte Hirnregionen schon geschrumpft sind – ebenfalls ein deutliches Anzeichen für eine Alzheimer-Erkrankung.

Schalten Sie Ihre Risikofaktoren selbst aus

Es gibt Faktoren, von denen wir heute wissen, dass sie den Ausbruch der Alzheimer-Krankheit herbeiführen können. Die meisten dieser Faktoren haben Sie selbst in der Hand und können so Ihr Alzheimer-Risiko selbst beeinflussen.

Zu hoher Bluthochdruck

Wenn der Blutdruck bei Ihnen erhöht ist und auch die Cholesterinwerte einen höheren Wert aufweisen, steigt auch Ihr Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Forscher aus Finnland haben diesen Zusammenhang bei fast 1.500 Menschen entdeckt – sie untersuchten die Studienteilnehmer über zehn Jahre lang. Diejenigen, die Bluthochdruck und eine Herzerkrankung aufwiesen, hatten ein dreimal so hohes Alzheimer-Risiko. Bluthochdruck gekoppelt mit Diabetes versechsfacht das Risiko – Zucker in Mengen ist Gift für ihr Gehirn. Mein Rezept gegen beide Probleme: Fangen Sie an, Sport zu treiben. Ich empfehle Ihnen ein maßvolles Ausdauertraining, dreimal in der Woche 30 Minuten lang. So senken Sie nicht nur Ihren Bluthochdruck, sondern auch Ihr Diabetes-Risiko. Übrigens: Auch wenn Sie schon unter Diabetes leiden, bringt Ihnen Sport viel. Sie können damit die Insulinsensibilität steigern, so dass Sie eventuell sogar keine Diabetes-Tabletten (die Vorstufe des Insulin-Spritzens) mehr brauchen.

Zu hoher Cholesterinwert

Sie brauchen das gute HDL-Cholesterin, aber zu viel LDL-Cholesterin ist Gift für Ihr Gehirn. Studien haben gezeigt, dass cholesterinsenkende Medikamente auch das Alzheimer-Risiko senken. Solche Mittel brauchen Sie aber gar nicht einzunehmen. Sie können Ihren Cholesterinspiegel auch durch Ausdauersport senken. Der Vorteil: Sie senken dann nur das LDL, das schlechte Cholesterin. Das HDL, das wichtig für Ihr Gehirn ist, bleibt Ihrem Körper erhalten.

Zu hoher CRP-Spiegel

Es handelt sich dabei um das C-reaktive Protein. Ist davon viel in Ihrem Blut enthalten, steigt das Risiko nicht nur für Herzinfarkt und Schlaganfall. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die viel von dem hochsensitiven C-reativen Protein im Blut haben, auch ein erhöhtes Risiko aufweisen, an Alzheimer zu erkranken. Den CRP-Spiegel können Sie durch die richtige Nahrung senken. Sie brauchen dafür Alpha-Linolsäure, eine Fettsäure. Enthalten ist sie zum Beispiel in Leinöl und Walnüssen. 40  Gramm Walnüsse pro Tag sollten Sie knabbern – dazu zwei Löffel Leinöl, gegen das Sie Ihr normales Öl austauschen. So schaffen Sie sich einen guten Schutz.

Depressionen

Ältere Menschen, die unter Depressionen leiden, weisen häufig auch geistige Leistungsstörungen auf. Menschen mit psychischen Problemen erkranken doppelt so häufig an Alzheimer, verglichen mit Menschen, die psychisch gesund sind. Depressionen sollten Sie daher nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern unbedingt von einem Fachmann untersuchen und behandeln lassen. Übrigens Vorsicht: Bei bis zu 30  % aller Menschen mit Depressionen wird fälschlich immer noch eine Demenzerkrankung diagnostiziert  – holen Sie also auf jeden Fall noch eine zweite Meinung ein.

Zu hohe Homocysteinwerte

Weist Ihr Blut einen hohen Homocysteinspiegel auf, sollten Sie einen Vitamin-B-Komplex einnehmen, der Vitamin B6, B12 und Folsäure enthält. Denn hohes Homocystein erhöht auch Ihr Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um das 4,5-fache. Einen solchen Vitamin-B-Komplex bekommen Sie in der Apotheke.

Geringe Knochendichte

Amerikanische Wissenschaftler haben bei 4.000 Senioren den Zusammenhang zwischen Knochendichte und Gehirngesundheit untersucht. Das Ergebnis: Je poröser die Knochen waren, umso schlechter ist das Gehirn. Mögliche Ursachen: Entweder ist zu wenig Östrogen im Körper vorhanden. Das Hormon festigt nicht nur Knochen, sondern steigert auch die Gehirnleistung. Oder aber es liegt an der mangelnden Bewegung, die ebenfalls Knochen und Hirn schadet. Neben regelmäßiger Bewegung sollten Sie sich kalzium- und Vitamin-D-reich ernähren, Milchprodukte gehören auf Ihren Speiseplan. Diese enthalten viel Kalzium. Darüber hinaus sollten Sie an der frischen Luft spazieren gehen, denn so regen Sie die Vitamin-D-Produktion Ihres Körpers an.

Kupfermangel

Amyloid-Plaques schaden Ihrem Gehirn. Forscher der TU Berlin und der Universität des Saarlandes haben herausgefunden, dass Mäuse nicht so viele Plaques im Gehirn hatten, wenn sie mit Kupfer versetztes Trinkwasser bekamen. Sie sollten daher immer auf einen ausreichend hohen Kupferspiegel achten – er sollte bei 0,9 bis 14 mg/l liegen. Kupfer ist zum Beispiel in Naturreis, grünem Blattgemüse, Trockenobst oder Nüssen enthalten.

Übergewicht

Der Body-Mass-Index berechnet sich aus (hier Formel einfügen). Schwedische Forscher haben entdeckt, dass sich auch an ihm ein Alzheimer-Risiko ablesen lässt. Jeder Punkt über einem BMI-Wert über 25 erhöht das Alzheimer-Risiko um 36 %. Daher haben Sie ein Auge auf Ihr Gewicht – auch bei Übergewicht ist Ausdauersport eine gute Maßnahme, um das Alzheimer-Risiko zu senken.

 

Zerstörte Eiweiße lösen das Vergessen aus

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenzerkrankung. Im Gegensatz zur vaskulären Demenz, die schlagartig durch eine Durchblutungsstörung auftritt, kommt es bei Alzheimererkrankungen schleichend zur Verschlechterung der Gehirnleistung. Schuld daran sind bestimmte Eiweißformen. Normalerweise wird überflüssiges Eiweiß von Enzymen zerlegt und dann abtransportiert. Dabei entstehen so genannten Beta-Amyloiden. Dies sind Eiweiße, die falsch zerlegt sind; aber auch diese können von den Enzymen abtransportiert werden. Wenn eine Alzheimer-Erkrankung vorliegt, werden die falsch zerkleinerten Eiweißreste einfach nicht mehr abtransportiert. Aus ihnen bilden sich nach und nach klebende Plaques, die die Nervenenden im Gehirn immer mehr zukleben und auf Dauer zerstören. Diese Plaques verhindern wahrscheinlich, dass Informationen vom Gehirn abgefragt werden können. Auch ist es nicht mehr möglich, neue Informationen hinzuzufügen. Die genauen Abläufe im Gehirn sind aber immer noch nicht komplett erforscht. Als weitere Ursache gilt ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen Glutamat und Acetylcholin. Auf der einen Seite nimmt die Bildung von Acetylcholin ab, dadurch können Gedächtnissignale nicht mehr ausreichend weitergeleitet werden. Andererseits wird zu viel Glutamat ausgeschüttet – das hat zur Folge, dass die Nervenzellen absterben. Plötzlich findet der Erkrankte keine Antwort mehr auf alltägliche Fragen, erkennt die Menschen um sich herum nicht mehr, erkennt sogar sich selbst im Spiegel nicht wieder. Die Folge: Als Erkrankter ziehen Sie sich immer mehr in die Vergangenheit zurück. Diese Erinnerungen haben Sie im Laufe Ihres Lebens so häufig abgerufen, dass sie tiefe Spuren im Gehirn hinterlassen haben. Erst wenn auch tief liegende Schichten der Nervenzellen zerstört sind, verblassen auch diese Erinnerungen und können nicht mehr abgerufen werden.