Hand aufs Herz: Haben Sie sich heute schon bewegt? Sind Sie bereits an der frischen Luft gewesen, haben Sie einen Spaziergang gemacht oder sind Sie sogar zügiger durch die Gegend gegangen? Vielleicht sogar gelaufen? Dann herzlichen Glückwunsch: Ihr Gehirn hat sich darüber gefreut! Denn mit jedem Spaziergang, mit jeder Bewegungseinheit an der frischen Luft werden 30 Prozent mehr Blut in Ihr Gehirn und damit auch deutlich mehr Sauerstoff ins Gehirn gepumpt. Die Folge: Sie können klarer und schneller denken. Darüber hinaus ist Bewegung ein wahrer Jungbrunnen für Ihr Gehirn. Warum das so ist und wie Sie es schaffen, in Zukunft häufiger loszulaufen, erkläre ich Ihnen in diesem Beitrag.

Gehirnjogging gilt als DAS Wundermittel schlechthin für Ihre kleinen grauen Zellen. Nur so sollen sie wieder auf Trab kommen, mit Kreuzworträtseln, Denkaufgaben und Rechenspielen werden sie angeregt, sodass Sie sogar Alzheimer und Demenz vorbeugen können. Natürlich sind diese Aufgaben wichtig – aber in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Gehirnakrobatik nicht alles ist. Es fehlt dabei die grundlegende Versorgung des Gehirns. Denksport regt zwar Ihre grauen Zellen an, nicht aber deren Durchblutung und Versorgung mit Sauerstoff. Das kann nur Bewegung.

Schaffen Sie sich neue Gehirnzellen

Bewegung kann noch mehr: Eine bis vor Kurzem gültige Meinung war, dass Gehirnzellen sich nicht mehr vermehren können. Es ist unmöglich, dass sie sich teilen – sie können nur absterben, so die Aussagen sämtlicher Wissenschaftler. Heute aber wissen wir, dass dem nicht so ist: Wenn Sie sich ausreichend bewegen, am besten joggen, bilden sich tatsächlich neue Gehirnzellen. Darüber hinaus sind die Zellen untereinander besser verbunden, die Anzahl der Blutgefäße im Gehirn nimmt zu. Auf diese Weise verbessern sich wiederum Durchblutung und Sauerstoff, Ihr Gehirn kann kreativ und hochleistungsfähig arbeiten.

Durch Bewegung arbeitet Ihr Gehirn effektiver

Erkannt haben diese positiven Auswirkungen von Bewegung auf das menschliche Gehirn Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule in Köln. Sie beobachteten, dass ältere Menschen normalerweise länger zum Lösen von Denkaufgaben brauchten als jüngere. Eine Ausnahme dagegen bildeten ältere Ausdauersportler. Sie brauchten zum einen weniger Zeit als die untrainierten Altersgenossen, zum anderen mussten sie auch weniger Hirnmasse einsetzen als die Nicht-Sportler, um die Lösungen zu finden. Daraufhin starteten die Kölner Forscher einen Versuch. Sie führten eine Studie mit untrainierten Menschen zwischen 65 und 80 Jahren durch. Diese mussten zweimal pro Woche einen sehr flotten, einstündigen Spaziergang absolvieren. Eine zweite Gruppe bewegte sich weiterhin so viel oder wenig wie vorher auch. Nach einem Jahr stellten die Forscher überrascht fest, dass sich bei denjenigen, die regelmäßig schnell spazieren gegangen waren, die Leistungsfähigkeit des Gehirns deutlich verbessert hatte. Die Versuchsteilnehmer waren erheblich weniger vergesslich, sie konnten sich viel mehr merken. Zudem war bei Denkaufgaben ein deutlich kleinerer Teil ihres Gehirns aktiv als vorher: Ihr Gehirn arbeitete wieder effektiver.

Laufen Sie los – aber bitte langsam!

Bewegung steigert jedoch nur unter einer Bedingung die Anzahl Ihrer Gehirnzellen und die Effektivität Ihres Gehirns: Es muss sich um Ausdauerbewegung handeln. Mein Motto für Bewegung lautet: langsam, aber lange. Dreimal pro Woche dreißig Minuten Bewegung empfehle ich Ihnen. Wichtig ist, dass Sie nicht zu schnell laufen. Am besten lassen Sie von einem Sportarzt die Pulsgrenzen feststellen, die für Sie richtig sind. Laufen Sie dagegen zu schnell, schüttet Ihr Körper Stresshormone, zum Beispiel Cortisol und Adrenalin, aus. Diese sind Gift für Ihr Gehirn: Sie sind in der Lage, Gehirnzellen absterben zu lassen. So erreichen Sie mit Sport genau den gegenteiligen Effekt.

Sie brauchen keine großartige Ausrüstung

Aber wie werden Sie vom Nicht-Sportler zum Läufer? So schwer ist es gar nicht. Entscheidend ist, dass Sie langsam anfangen und nicht zu viel auf einmal wollen. Für die ersten Laufversuche reichen auch alte Schuhe. Wenn Sie sich sicher sind, dass Laufen „Ihre“ Sportart ist, rate ich Ihnen, sich vernünftige Schuhe zu kaufen – am besten in einem Fachgeschäft, das auch eine Laufbandanalyse anbietet. Auf diese Weise erhalten Sie genau die Schuhe, die Sie brauchen.