Paracetamol galt immer als die sanfte Alternative zu Ibuprofen, Aspirin & Co. Dann aber zeigte sich, dass der Wirkstoff Paracetamol Ihre Leber schädigen kann. Und neue Studien gehen sogar noch weiter: Ihr Ergebnis ist, dass es Ihnen außer Nebenwirkungen gar nichts bringt.

Paracetamol ist eines der Schmerzmittel schlechthin. Sein Vorteil, so dachte man, ist, dass es „relativ“ ungefährlich ist. So gilt es auch als das einzige Schmerzmittel, das werdende Mütter nehmen dürfen, eben weil es so ungefährlich ist. Die Einsatzmöglichkeiten des Mittels sind vielfältig. Gerade bei Rückenschmerzen wurde es sehr gerne empfohlen, auch bei Gelenkschmerzen kommt das Präparat häufig zum Einsatz.

Bei Rücken- und Gelenkschmerzen keine Hilfe

Vor einem Jahr dann aber bestätigte sich das, was mir viele Patienten schon vorher berichtet hatten. „Herr Doktor, aber kein Paracetamol, das bringt bei mir überhaupt nichts.“ Und eine Studie des George Instituts für Gesundheit in Sydney/Australien belegte diese Erfahrungen. Die Forscher hatten Gesundheitsdaten von über 5.300 Patienten ausgewertet. Diese hatten an insgesamt 13 verschiedenen Studien teilgenommen und dafür entweder Paracetamol eingenommen oder ein Scheinmedikament ohne Wirkung.

Es zeigte sich, dass die Medikamenten-Einnahme im Grunde umsonst war. Bei Arthrose in den Kniegelenken oder der Hüfte verringerten sich die Schmerzen auf einer Skala zwischen eins und 100 um maximal drei Punkte. Bei Rückenschmerzen sah das Ergebnis noch schlimmer aus. Das Medikament konnte weder die Heftigkeit der Schmerzen verringern noch die Beweglichkeit der Patienten verbessern.

Dafür aber entwickelten die Studienteilnehmer, die Paracetamol einnahmen, plötzlich zusätzliche Gesundheitsprobleme. Sie hatten viermal so häufig erhöhte Leberwerte – verglichen mit denjenigen, die nur das Scheinmedikament eingenommen hatten.

Nebenwirkungen schlimmer, als bisher bekannt

Londoner Wissenschaftler des Maudsley Hospitals stellten noch etwas viel Erschreckenderes zum Thema Paracetamol fest. Die Forscher untersuchten die möglichen Nebenwirkungen von Paracetamol. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass schon bei fünf Tabletten Paracetamol zu je 500 mg pro Woche das Risiko für schwere Nebenwirkungen gravierend steigt.

Dann kann das Mittel

  • Bluthochdruck
  • Herzinfarkt
  • Magengeschwüre
  • Nierenschäden
  • Schlaganfall

auslösen und zudem die Gesamtsterblichkeit deutlich erhöhen.

Was Sie bei der Einnahme von Paracetamol beachten müssen

Es gibt Situationen, in denen Sie auf Paracetamol nicht verzichten können. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie andere Schmerzmittel nicht vertragen. Wichtig ist dann, dass Sie es nicht zu häufig nehmen. Was sollten Sie sonst noch bei der Paracetamol-Einnahme beachten?

  • Paracetamol dürfen Sie nur kurzfristig verwenden. Nutzen Sie es maximal zwei bis drei Tage, um akut aufgetretene Schmerzen zu lindern.
  • Laut Angaben dürfen Sie bis zu 4 Gramm Paracetamol pro Tag einnehmen. Die neuen Studien aus London zeigen aber, dass das viel zu viel ist. Nehmen Sie daher maximal zwei Gramm pro Tag zu sich.
  • Verzichten Sie bei Gelenkschmerzen oder Rückenproblemen auf Paracetamol. Sie erfahren bei diesen Beschwerden keine oder kaum Linderung.
  • Vorsicht bei Kombi-Präparaten! Hier wird Paracetamol sehr gerne eingesetzt, um zum Beispiel bei Grippe oder grippalen Infekten Schmerzen zu lindern. Schnell nehmen Sie dann eine Überdosis zu sich. Studieren Sie daher den Beipackzettel rezeptfreier Kombipräparate genau.
  • Müssen Sie Paracetamol über einen längeren Zeitraum einnehmen? In diesem Fall muss Ihr Arzt Ihre Leberwerte engmaschig überwachen.
  • Sind Sie übergewichtig oder ist Ihre Leber schon vorgeschädigt, verzichten Sie auf jeden Fall auf Paracetamol. Es hat sich gezeigt, dass das Risiko für Leberschäden in diesen Fällen besonders groß ist.