Geflügelfleisch gilt gemeinhin als die gesunde Alternative zu so genanntem „roten Fleisch“, also Rind- und Schweinefleisch. Doch in der letzten Zeit ist auch diese Fleischsorte ins Gerede gekommen. Mastgeflügel, Antibiotika-Einsatz, Dioxin – diese Themen verunsichern Sie als Verbraucher. Können Sie überhaupt noch bedenkenlos zu Geflügelfleisch greifen? Was müssen Sie beim Kauf beachten? Ich liste Ihnen die wichtigsten Punkte in diesem Beitrag auf, damit Sie auch weiterhin guten Gewissens Geflügelfleisch verzehren können.

1. Vorsicht bei Super-Angeboten!

Der Verzehr von Geflügelfleisch nimmt immer mehr zu. Damit ist nicht nur das klassische Brathähnchen gemeint. Gerade durch den Boom, den asiatische Gerichte in den letzten Jahren erfahren haben, steigt der Verbrauch immer weiter: Wir Deutsche essen rund 23 Kilogramm Geflügelfleisch pro Kopf und Jahr. Hier wird besonders das magere Brustfilet verzehrt. Supermärkte und Discounter tragen dem Rechnung: Puten- und Hähnchenbrust oder -schnitzel bekommen Sie für knapp 1 € pro 100 Gramm.

  • Meine Meinung: Bei solchen Preisen brauchen Sie nicht lange zu überlegen. Mit qualifizierter Aufzucht sind diese Angebote nicht möglich. Hier handelt es sich um Fleisch aus Massentierhaltung, das unter schlimmsten Bedingungen gezüchtet wurde. Daher lieber Finger weg!

2. Antibiotika-Einsatz steigt.

Seit 2006, also schon seit mehr als 10 Jahren (!), ist die Verwendung von Antibiotika, die das Wachstum fördern sollen, verboten. Dennoch werden Antibiotika in den letzten Jahren vermehrt vorbeugend gegeben. Grund dafür ist die Dichte, die in Geflügelställen herrscht. Hier finden sich auf einem Quadratmeter bis zu fünf Puten oder 25 Hühner. Die Antibiotika werden eingesetzt, um bei einer solchen qualvollen Enge die Ausbreitung von Krankheiten einzugrenzen.

  • Meine Meinung: Es gibt bei konventionell gezüchtetem Geflügel kein Siegel oder Ähnliches, auf das Sie sich verlassen können und das Ihnen garantiert, dass keine Antibiotika eingesetzt werden. Wenn Sie medikamentenbelastetes Geflügelfleisch umgehen wollen, müssen Sie Bioware kaufen.

3. Resistente Keime nehmen zu.

Der enorme Antibiotika-Einsatz in der Geflügelmast soll vor Krankheiten schützen – und hat unangenehme Nebenwirkungen. Denn durch ihn nehmen Keime, die gegen Antibiotika resistent sind, zu. Das Bundesamt für Risikobewertung hat Untersuchungen durchgeführt und herausgefunden, dass in 22 Prozent des getesteten Hähnchen- und in 40 Prozent des untersuchten Putenfleischs der MRSA-Erreger, das ist der gefürchtete Krankenhauskeim, zu finden ist.

  • Meine Meinung: Antibiotika-Einsatz und Keimbelastung gehen Hand in Hand. Daher können Sie mit dem Kauf von Bioware auch die Gefahr, mit Keimen belastetes Geflügelfleisch zu erhalten, einschränken.

4. Wählen Sie das richtige Fleisch.

Biogeflügel ist rund dreimal so teuer wie Fleisch von konventionell gezüchtetem Geflügel. Dennoch lohnt sich der Kauf. Zum einen haben die Tiere mehr Auslauf, sie werden nicht hochgezüchtet, um so schnell wie möglich schlachtreif zu sein, und sie bekommen Futter ohne Gentechnik. Medikamente werden nur einmalig eingesetzt – und nur dann, wenn andere Methoden nicht geholfen haben.

  • Meine Meinung: Bei der Entscheidung, welches Bio-Geflügelfleisch Sie wählen sollten, hilft Ihnen die Stiftung Warentest weiter. Die Tester haben verschiedene Hähnchenbrustfilets untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Filets von Chiemgauer Naturfleisch, Naturkind, Biofam und Schröder’s Bioland gut zu bewerten waren. Ökotest hat Putenschnitzel unter die Lupe genommen: Hierbei schnitten die gleichen Anbieter mit „empfehlenswert“ ab.

5. Achten Sie auf Hygiene.

Schon bei der Produktion und Verpackung des Fleisches kann es zur Keimbelastung kommen, für Sie kann dies im Zweifelsfall gesundheitsgefährdend sein. Daher ist es wichtig, dass Hygiene großgeschrieben wird.

  • Meine Meinung: Achten Sie beim Kauf von Geflügelfleisch auf das so genannte QS-Siegel. Dieses ist ein Zeichen für geprüfte Qualität. Ihnen wird hiermit garantiert, dass Sie Fleisch kaufen, das unter besonders strengen hygienischen Bedingungen verarbeitet und verpackt wurde.

6. Achten Sie auf die Herkunft.

Bei Geflügelfleisch muss angegeben werden, woher es stammt. Sie finden nicht nur den Herkunftsnachweis vom Schlupf über die Aufzucht bis zur Verarbeitung. Auch die Haltbarkeit, der Angebotszustand (frisch/verarbeitet) und die Adresse des Betriebs werden angegeben.

  • Meine Meinung: Zwar können Sie auf diese Weise erkennen, ob es sich zum Beispiel um ausländisches Fleisch handelt, das nur zum Verkauf nach Deutschland importiert wurde. Das ist entscheidend, da im Ausland ein anderes Lebensmittelrecht herrscht und auch die Aufzucht anders ablaufen kann. Aber leider findet sich der Herkunftsnachweis nur auf unverarbeitetem Fleisch. Kaufen Sie zum Beispiel fertig mariniertes Fleisch, ist der Nachweis nicht nötig.

7. So finden Sie Freilandgeflügel.

Auf dem Markt gibt es Unmengen Geflügelfleisch mit Aufschriften wie „aus bäuerlicher Aufzucht“ oder „aus kontrollierter Haltung“. Was so gut klingt, sagt aber gar nichts aus. Denn hierbei handelt es sich um Fantasiebezeichnungen, die nicht durch ein Gesetz definiert worden sind. Dahinter verbirgt sich häufig die ganz normale Massentierhaltung.

  • Meine Meinung: Wollen Sie Fleisch von „glücklichem“ Geflügel kaufen, das in der Aufzucht tatsächlich Platz und Auslauf hatte? Dann achten Sie darauf, dass das Fleisch eine der folgenden Bezeichnungen trägt: „extensive Bodenhaltung“, „Freilandhaltung“ oder „bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf“.

8. Lagern Sie Geflügelfleisch richtig.

Auf abgepacktem Fleisch finden Sie sowohl ein Mindesthaltbarkeitsdatum als auch eine Lagertemperatur. Diese wird normalerweise – wenn es sich nicht um ein unsauberes Geschäft handelt – bis zu Ihrem Kauf eingehalten. Nur bei dieser Lagertemperatur ist das Fleisch tatsächlich bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum haltbar. Normalerweise liegt diese Temperatur bei zerteiltem Geflügelfleisch, also auch bei Brustfilets, bei –2 bis +4 Grad Celsius.

  • Meine Meinung: Legen Sie das Fleisch nicht einfach irgendwo in den Kühlschrank. In den oberen Bereichen beträgt die Temperatur zwischen 6 und 8 Grad. Gegen Ende des Haltbarkeitsdatums kann das Fleisch daher schon keimbelastet und verdorben sein. Bewahren Sie es unten im Kühlschrank auf der Glasplatte auf. Hier herrschen die tiefsten Temperaturen. Zudem sollten Sie das Geflügelfleisch schon vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums verzehren.

9. Hygiene ist ein Muss in der Küche.

Nicht nur bei konventionell erzeugtem Geflügelfleisch, auch bei Biofleisch ist Hygiene in der heimischen Küche wichtig. Nur so vermeiden Sie, dass Sie sich zum Beispiel mit Salmonellen infizieren. Lassen Sie tiefgekühltes Hähnchenfleisch immer auf einem Sieb über einer Schüssel auftauen. So kommt es nicht mit dem Auftauwasser in Berührung. Hierin ist die Keimbelastung am größten. Garen Sie auch das Fleisch gut durch – Geflügelfleisch dürfen Sie niemals noch blutig bzw. halbroh servieren oder verzehren.

  • Meine Meinung: Messer und Schneideunterlagen, die Sie benötigt haben, um rohes Geflügelfleisch zuzubereiten, müssen Sie nach der Zubereitung sofort heiß spülen, bevor Sie damit hierauf andere Lebensmittel zubereiten. Verzichten Sie aus Hygienegründen auf Holzbrettchen. Noch empfehlenswerter ist es, Sie schaffen sich eine Kunststoff-Schneideunterlage an, die Sie nur für Geflügel verwenden.

10. So essen Sie gesund.

Geflügelfleisch ist tatsächlich die Fleischsorte, die einen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten kann. Allerdings kommt es auf die Fleischsorte an. Das fette Grill- oder Brathähnchen sollten Sie verschmähen oder zumindest die fettige Haut entfernen. Noch besser ist es, wenn Sie zu Hähnchen- oder Putenbrustfilet greifen. Diese Stücke enthalten gerade einmal 1 bis 7 Prozent Fett.

  • Meine Meinung: Nicht nur durch seinen Mangel an Fett trägt Geflügelfleisch zur gesunden Ernährung bei. Es liefert auch Eiweiß und B-Vitamine. Allerdings ist der Eisengehalt nicht ganz so hoch wie bei den roten Fleischsorten.

Sie sehen, Geflügelfleisch trägt tatsächlich zu einer gesunden Ernährung bei, wenn Sie gesund erzeugtes Fleisch kaufen und richtig damit umgehen. Übrigens gilt allerdings auch bei Geflügel: Die Menge macht’s. Auch dieses Fleisch sollten Sie nicht jeden Tag auf den Speiseplan setzen, sondern höchstens zwei- bis dreimal pro Woche.