Hay’sche Trennkost: Essen Sie lieber bunt gemischt – aber ausgewogen

Stellen Sie sich vor, Sie dürften keine Wurstbrötchen mehr essen, aber auch keine Nudeln mit Bolognese-Soße oder Kartoffeln mit Fisch. Traurig, oder? Und doch gibt es eine Ernährungsform, die dies vorschreibt: die Hay’sche Trennkost. Eine Form, die immer wieder auch als geeignete Diät angepriesen wird, aber gar nicht so gesund ist, wie behauptet wird.

Die Hay’sche Trennkost ist die bekannteste Ernährungsform und kommt immer einmal wieder groß in Mode. Dr. Howard Hay entwickelte diese Nahrungsform Anfang des letzten Jahrhunderts, um Krankheiten vorzubeugen und zu heilen. Er war der Ansicht, dass nur die Ernährung für die so genannten Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel Rheuma und Krebs verantwortlich ist und diese Krankheiten auch durch die richtige Ernährung wieder geheilt werden können.

Zudem entsteht Übergewicht seiner Meinung nach dadurch, dass der Mensch nicht zu viele Kalorien zu sich nimmt. Vielmehr ist die Kombination der Nahrung an diesem Phänomen schuld: Unser Körper sei, so Hay, nicht in der Lage, Kohlenhydrate und Eiweiße gleichzeitig zu verdauen. Treffen diese Stoffe im Darm trotzdem aufeinander, behindern sich die Verdauungsenzyme gegenseitig, es kommt zu einer sehr langsamen, gestörten Verdauung und die Kohlenhydrate beginnen im Darm zu gären.

Eignen Sie sich empfehlenswerte Trennkost-Gedanken an

Hay unterschied die Lebensmittel nach kohlenhydrat- und eiweißhaltigen Produkten sowie nach Säuren- und Basenbildnern. Werden diese Lebensmittel falsch zusammengestellt, übersäuert der Körper, und es kommt schließlich zu Krankheiten.

Dies macht seine Ernährungslehre so kompliziert – obwohl der Urgedanke, der hinter der Theorie steht, auch meinen Empfehlungen entspricht. Hay war nämlich der Meinung, dass ein Großteil der Nahrung frisch sein sollte – Sie sollten also „Lebens-Mittel“ im eigentlichen Sinne essen. Zudem sollte Ihre Ernährung aus 80 % Basen bildenden Lebensmitteln bestehen und nur zu 20 % aus Säure bildenden. Auch damit bin ich noch einverstanden, ich empfehle genau diese beiden Regeln auch meinen Patienten. Aber das Prinzip der Trennkost kann ich so nicht unterstützen – allein schon, weil wichtige Elemente der Nahrung einfach außen vor gelassen werden.

Auf die Einteilung der Lebensmittel kommt es an

Hay unterteilte folgendermaßen:

  1. Die Kohlenhydratgruppe: Hierzu gehören Getreide, Reis, Brot, Teigwaren (nur, wenn sie ohne Ei hergestellt wurden), Kartoffeln, natürliche Süße, Bananen, Melonen, Trockenfrüchte und andere süße Früchte.
  2. Die Eiweißgruppe: Fisch, Fleisch, Eiweiß aus Eiern, Soja, Magermilchprodukte, Magerkäse.
  3. Die neutrale Stufe: Gemüse, Salate, Kräuter, Sprossen, Keime, Pilze, Nüsse, Eigelb, Hefe, Vollmilch, Sahne, fetthaltiger Käse.

Aus diesen drei Gruppen entwickelte Hay noch eine vierte Gruppe: die Lebensmittel, die er für nicht empfehlenswert erachtet, weil sie Säurebildner sind. Dies sind Fleisch, Fisch, Käse unter 60 % Fettgehalt und außerdem alle eigentlich so gesunden Vollkornprodukte.

So funktioniert die Hay’sche Trennkost

Die Regeln der Trennkost basieren nun auf dieser Gruppeneinteilung:

  • Sie dürfen jedes Lebensmittel aus der Neutralgruppe mit jedem aus der Eiweißgruppe ODER aus der Kohlenhydratgruppe kombinieren.
  • Kombinationen aus Eiweiß- und Kohlenhydratgruppe sind verboten.
  • Zwischen einer Mahlzeit mit Eiweiß und einer mit Kohlenhydraten sollten rund vier Stunden liegen.
  • Der Tagesablauf gibt die Struktur der Mahlzeiten vor: Morgens sollten Sie nur Basen bildende Lebensmittel essen. Mittags folgt dann eine eiweißreiche Mahlzeit und abends eine mit Kohlenhydraten. Nach 15 Uhr sollten Sie generell Eiweiß vermeiden.
  • Alle Lebensmittel, die ebenso viele Kohlenhydrate und Eiweiß enthalten, sind verboten – hierzu gehören zum Beispiel Hülsenfrüchte.

Die Thesen der Trennkost sind widersprüchlich und nicht bewiesen

Die Hay’sche Trennkost geht von einigen falschen Voraussetzungen aus:

  • Mein größter Kritikpunkt ist, dass der Anspruch erhoben wird, dass mit der Trennkost fast alle Krankheiten einschließlich Krebs geheilt werden können.
  • Aber auch die Unterteilung der Lebensmittel zeigt, dass es mehrere Ungereimtheiten gibt. Warum gehört ein so eiweißhaltiges Produkt wie Quark zu den neutralen Lebensmitteln? Warum ist Grünkohl nicht verboten, obwohl er genauso viel Kohlenhydrate wie Eiweiß enthält?
  • Noch schlimmer erachte ich aber, dass gerade Lebensmittel, die aus Vollkorn bestehen, verboten sind, weil sie laut Hay zu den Säurebildnern gehören. Denn diese versorgen Sie mit den wichtigen B-Vitaminen, mit Magnesium und Selen. Fisch auf die verbotene Liste zu setzen, schränkt Ihre Versorgung mit den wichtigen Omega-3-Fettsäuren stark ein. Und wie sollen Sie einen hohen Eiweißspiegel bekommen, wenn Hülsenfrüchte auf der roten Liste stehen? Linsen sind so eiweißreich.
  • Es ist wissenschaftlich widerlegt, dass unser Körper Eiweiß und Kohlenhydrate nicht gemeinsam verdauen kann. Ganz im Gegenteil: Das natürlichste aller Lebensmittel, die Muttermilch, besteht gleichzeitig aus Kohlenhydraten und Eiweiß.
  • Es ist Ihnen eigentlich gar nicht möglich, Kohlenhydrate und Eiweiß getrennt voneinander zu essen – jedes Lebensmittel enthält beide Stoffe.
  • Es gibt keinen Grund, warum Sie nach 15 Uhr kein Eiweiß mehr essen sollten – Sie müssen es sogar tun, wenn Sie einen hohen Eiweißspiegel im Blut haben wollen.

Mein Fazit: Ausgewogen ist besser!

Sicherlich ist es positiv zu sehen, dass Sie bei der Trennkost viel Obst und Gemüse essen sollen. Dadurch ist diese Ernährungsform kalorien- und fettarm. Aber schon aufgrund ihrer Kompliziertheit kann ich sie Ihnen nicht empfehlen. Zudem kommen wichtige Vitamine (gerade die B-Vitamine), aber auch Eisen, Selen und Magnesium, zu kurz – und auch Ihre Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist nicht gesichert. Bleiben Sie lieber bei einer ausgewogenen Ernährung, bei der Sie auch Vollkornprodukte und Fisch auf Ihrem Teller haben dürfen. So ernähren Sie sich gesund – und vor allem einfach!

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