Oft herrschen höchst konträre Vorstellungen zwischen Ärzten, die Medikamente verordnen, und den Patienten, die diese Pillen schlucken sollen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele der verordneten Medikamente auf dem Müll landen, sobald die Patienten den Beipackzettel gelesen haben. Bei den meisten Patienten renne ich mit dem Vorschlag, Medikamente restriktiver einzusetzen, offene Türen ein. Toll wäre es, wenn auch meine Kollegen etwas umdenken würden. Doch häufig beiße ich da auf Granit.

Tun Sie lieber etwas für Ihre Gesundheit, als direkt Pillen zu schlucken

Ähnlich wie ich denkt auch der Pharmakologe Professor Bruno Müller-Oerlinghausen, ehemaliger Präsident der deutschen Arzneimittelkommission. In einem älteren Spiegel-Interview (40/2009) antwortete er auf die Frage, warum in Deutschland immer mehr Medikamente verordnet werden so:

„Dahinter steckt eine gigantische Marketing-Maschinerie der Pharmaindustrie, die eine wahre Gehirnwäsche bei der Ärzteschaft bewirkt hat.“

Das Resultat: in Deutschland sterben fünfmal mehr Menschen jährlich durch Nebenwirkungen von Medikamenten als im Straßenverkehr. Darum fragen Sie Ihren Hausarzt immer nach Alternativen zu den Medikamenten. Signalisieren Sie, dass Sie auch gerne dazu bereit sind, selbst etwas für Ihre Gesundheit zu tun. Eine Stunde Bewegung täglich beispielsweise ist besser als viele Blutfettsenker oder Blutdrucktabletten.

Ihr

Dr. med. Michael Spitzbart