Kaum ein Lebensmittel hat sich in den letzten Jahren so verändert wie Schokolade. Früher gab es gerade einmal zwei, drei Sorten – neben Vollmilch waren das Nuss- und eventuell noch Zartbitterschokolade. Heute dagegen ist die zartschmelzende Süßigkeit zum wahren Lifestyle-Lebensmittel geworden. Es gibt sie mit Chili und mit Pfeffer, sogar Schokolade aus 99 Prozent Kakao können Sie kaufen. So vielfältig wie die Sorten sind auch die Gerüchte, die sich um die Süßigkeit ranken. Schokolade macht dick, glücklich und wahlweise auch Migräne. Aber stimmt das alles?

Mythos: Schokolade macht glücklich.

Dieses Argument wird immer wieder gerne gewählt, wenn es darum geht, seinen Schokoladenkonsum zu rechtfertigen. Schokolade soll gegen Stress helfen und die Stimmung heben. Leider stimmt das so nicht. Denn sie kann Sie zwar glücklich machen – aber nur dann, wenn Sie sie bewusst und mit Genuss essen. Dagegen ist sie nicht geeignet, um Ihre Stimmung tatsächlich aufzuhellen, wenn Sie unglücklich sind. Zwar wird ihr immer wieder eine antidepressive Wirkung nachgesagt. Grund dafür ist, dass der Verzehr von Schokolade den gleichen Bereich im Gehirn anspricht wie das Glückshormon Serotonin. Um allerdings tatsächlich Ihre Stimmung zu heben, müssten Sie mehrere Kilo verzehren – eine Menge, die nicht zu schaffen ist.

Mythos: Schokolade löst Migräne aus.

Immer noch ist diese Behauptung weder belegt noch widerlegt. Fakt ist, dass Kakao für eine Ausschüttung von Histamin im Körper sorgt. Dieses hat die Aufgabe, Stoffe, die von außen in den Körper dringen, abzuwehren. Hat es seinen „Job“ erfüllt, wird es von Diaminoxidase, einem Enzym, wieder abgebaut. Doch nicht bei jedem funktioniert dieser Abbau – es liegt eine so genannte Histaminintoleranz vor. Diese kann dann zu einer Migräneattacke führen. Meist aber ist nicht die Schokolade der direkte Auslöser der Migräne. Vielmehr weist sie auf das Nahen einer Attacke hin. Forscher haben beobachtet, dass ein Heißhunger auf Süßigkeiten bei vielen Menschen einem Migräneanfall vorausgeht. Schon ein bis zwei Tage vorher beginnen sie damit, wahllos Schokoriegel und andere Süßspeisen zu verzehren. Kommt es dann zum Migräneanfall, erinnern sie sich daran, was sie als Letztes verzehrt haben – und geben dem Schokoriegel die Schuld an den Kopfschmerzen.

Mythos: Schokolade wirkt sexuell anregend.

Immer noch hat Schokolade den Ruf, eine Art sanftes Viagra zu sein. Der Grund dafür: Der Kakao, aus dem die Süßigkeit hergestellt wird, enthält Phenylalanin. Dieses Enzym zählt zu den Glückshormonen. Produziert wird es von Ihrem Körper insbesondere dann, wenn Sie frisch verliebt sind. Leider aber können Sie Viagra nicht ersetzen. Denn die Menge des enthaltenen Phenylalanins ist viel zu gering, als dass sie sich auf Ihren Körper und Ihr Sexualleben auswirken könnte.

Mythos: Schokolade liefert schnelle Energie.

Immer noch gilt: Ein Schokoriegel zwischendurch bringt Ihnen rasch neue Energie zurück. Das können Sie jedoch mit einem Vollkornbrot oder einer Banane viel besser erreichen. Denn ballaststoffreiche Lebensmittel verhindern langfristig eine Unterzuckerung. Auch Schokolade bringt Ihnen durch ihren Fett- und Kohlenhydratanteil Energie. Allerdings hält die nicht lange vor: Der Zucker in der Schokolade geht schnell ins Blut und sorgt dafür, dass Ihr Blutzuckerspiegel in die Höhe steigt. Ihr Körper schüttet daraufhin Insulin aus, das den Zucker rasch wieder abbaut. Die Folge: Sie fallen im wahrsten Sinne des Wortes in ein Loch und haben noch weniger Energie als vorher.

Mythos: Schokolade macht dick.

Mit einem klaren Ja lässt sich diese Aussage nicht bestätigen. Natürlich liefert Schokolade viele Kalorien. Eine Tafel enthält 400 bis 600 – diese Menge entspricht einem durchschnittlichen Mittagessen. Mit einer Tafel Schokolade haben Sie ein Viertel Ihres Energiebedarfs für einen Tag gedeckt. Verzehren Sie Schokolade aber in Maßen, brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen. Denn nicht das Stück Schokolade, das Sie heute, morgen und übermorgen verzehren, macht Sie dick – wenn Sie es bei einem Stück belassen. Vielmehr resultiert Übergewicht aus mehreren Fehlern: aus falscher Ernährung, zu großer Kalorienaufnahme und mangelnder Bewegung. Ernähren Sie sich dagegen ausgewogen und gehört auch ausreichend Bewegung zu Ihrem Tagesablauf, kann Ihnen Schokolade nicht schaden.

Mythos: Bitterschokolade ist gesund.

Studien haben nachgewiesen, dass sich dunkle Schokolade tatsächlich positiv auf Ihre Herzgesundheit auswirken kann. Grund dafür sind die im Kakao enthaltenen Flavonoide. Sie schützen vor Arterienverkalkung und stärken Ihr Herz-Kreislauf-System. Zudem kann Bitterschokolade auch die Thrombosegefahr und somit das Herzinfarkrisiko senken. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore/USA. Die positiven Auswirkungen der Schokolade gelten aber nur für die Sorten, die keine Milch enthalten. Denn das Vorhandensein von Milch verhindert, dass die Flavonoide ins Blut gelangen können. Dennoch empfehle ich Ihnen Schokolade nie als Herzschützer. Woran liegt das? Die Antwort ist ganz einfach. Um von dem positiven Effekt der Flavonoide in der Schokolade zu profitieren, müssten Sie mehrere Kilo der Süßigkeit pro Tag verzehren. Das würde aber zu deutlichem Übergewicht und damit zu einem viel höheren Herzinfarktrisiko führen.

Mythos: Schokolade macht süchtig.

Viele Menschen behaupten, sie würden von Schokolade regelrecht süchtig – sie könnten dann nicht aufhören, bevor sie nicht die ganze Tafel verzehrt hätten. Wissenschaftler sind dieser Behauptung nachgegangen und haben entdeckt, dass Schokolade so genannte psychoaktive Substanzen enthält. Hierzu gehören Theobromin und Koffein. Beide Stoffe beeinflussen das zentrale Nervensystem. Zudem ist Anadamid enthalten, das bei Mäusen so ähnlich wie der Marihuana-Stoff THC wirkt. Allerdings gelten diese Wirkungen nur, wenn Sie die Stoffe isoliert betrachten. In der Schokolade bewirkt ihre Mischung, dass sich die Stoffeigenschaften teilweise aufheben. Zudem ist der Gehalt der anregenden Stoffe in Schokolade sehr gering. Sie müssten – je nach Sorte – bis zu 12.000 Tafeln Schokolade essen, um eine berauschende Wirkung wahrzunehmen.

Mythos: Schokolade verursacht Leberbeschwerden.

Das stimmt definitiv nicht – Schokolade ist noch nicht einmal schwer verdaulich. Vielmehr bleibt selbst eine 200-Gramm-Tafel nur eine Stunde lang im Magen – deutlich kürzer als manches andere Lebensmittel.