Sven Hannawald und Ralf Rangnick sind nicht nur bekannte Größen aus der Sportwelt, sie eint auch noch eine weitere Tatsache: Beide waren an einem Burnout-Syndrom erkrankt. Damit stehen sie nicht alleine da – immer mehr Menschen sind ausgebrannt, nichts geht mehr. Doch warum kommt es zum Burnout – und gibt es Menschen, die besonders stark betroffen sind?

Was genau Burnout ist, darüber ist man sich heute immer noch nicht wirklich einig. Fakt ist, es handelt sich um körperliche und seelische Leere. Sie fühlen sich erschöpft, überfordert, eben ausgebrannt und können sich zu nichts mehr überwinden. Hinzu kommen Symptome, die denen von Depressionen ähneln. Es herrschen Mutlosigkeit, Müdigkeit und ein Gefühl der Sinnlosigkeit des eigenen Tuns.

Ist Burnout auf spezielle Berufe beschränkt?

Burnout galt lange als Krankheit von Menschen, die sich um andere kümmerten. Krankenschwestern wurden zum Beispiel als typische Burnout-Kandidaten beschrieben, da sie stets um das Wohl anderer Menschen bemüht waren, ohne auf die eigene Gesundheit zu achten. Dann wandelte sich das Blatt: Burnout galt plötzlich als Manager-Krankheit. Betroffen waren – so die allgemeine Meinung – gerade Menschen, die unter Dauerstress standen, weil sie geistige Höchstleistungen erbringen mussten. Heute sind wir noch einen Schritt weiter: Wir wissen, dass auch Menschen, die einen stressfreien Beruf haben oder sogar Rentner sind, unter Burnout leiden können. Denn auch private Schwierigkeiten, zum Beispiel Todesfälle in der Familie oder zu pflegende Angehörige, können der Auslöser für das Ausbrennen sein.

Diese Faktoren können zum Burnout führen

Neben Stress gibt es also noch weitere Faktoren, die zum Burnout führen können. Dazu gehören:

  • das Übernehmen zu großer Verantwortung
  • langweilige Arbeitsabläufe
  • Schichtarbeit
  • Ängste, zum Beispiel um den Arbeitsplatz
  • mangelnde Erholungsphasen
  • private Schicksalsschläge
  • kein Rückhalt in schwierigen Situationen bei Familie und Freunden
  • Zeitdruck

So kann Ihre Persönlichkeit einen Burnout begünstigen

Nicht jeder Mensch ist gefährdet, an Burnout zu erkranken. Es gibt bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die die Gefahr des Ausbrennens erhöhen. Dazu gehören:

  1. Perfektionismus. Es gibt Menschen, die alles perfekt machen wollen. Sowohl im Beruf als auch in Alltag und Hobby wird nichts dem Zufall überlassen. Sie stellen an sich selbst sehr hohe Anforderungen, Fehler sind nicht erlaubt. Nach und nach merken diese Menschen dann, dass sie die hochgesteckten Ziele nicht ständig erreichen und auch gar nicht erreichen können. Zudem bekommen sie von ihrer Umwelt nicht mehr Anerkennung als diejenigen, die normale Ansprüche stellen und erfüllen. Aus diesen Gründen strengen sie sich noch mehr an, wollen noch mehr leisten. Auf Dauer belastet dieses Vorgehen so stark, dass ihr„Akku“ leer läuft. Die Betroffenen bemerken, dass sie nicht mehr so viel schaffen wie vorher, wollen aber dennoch immer mehr. Der Wille bleibt, aber Körper und Geist sind ausgebrannt, nicht mehr in der Lage, dieses „mehr“ zu erbringen.
  2. Helfersyndrom. Es gibt Menschen, die opfern sich für andere auf. Sie haben ständig ein offenes Ohr für die Schwierigkeiten, die andere Menschen gerade durchmachen und wollen die Probleme ihrer Gegenüber selbst lösen. Auf Dauer bürden sie sich mehr fremde Aufgaben auf, als sie bewältigen können. Viele dieser Menschen haben ein sehr schwaches Selbstwertgefühl. Indem sie sich für andere scheinbar unentbehrlich machen, fühlen sie sich wichtiger und gebraucht. Gerade im sozialen Bereich kommen Burnout-Fälle aufgrund von Helfersyndrom sehr häufig vor.
  3. „Ja“-Sager. Es gibt viele Menschen, die können einfach nicht nein sagen. Sie lehnen keine Bitte, keine Aufgabe ab, aus Angst, ihr Gegenüber zu verärgern. Dabei fühlen sie sich aber stets überfordert, weil sie es auf der einen Seite allen Menschen recht machen wollen, auf der anderen Seite aber merken, dass sie dies nicht schaffen. Hinzu kommt, dass sie ständig in Angst vor Konflikten leben und auch diese Angst sie zusätzlich belastet.
  4. Ehrgeiz. Es gibt unterschiedliche Motivationen für Ehrgeiz. So wollen manche Menschen viel erreichen, weil es ihnen einfach Spaß macht. Dieser positive Ehrgeiz führt eigentlich nie in den Burnout. Aber es gibt auch Menschen, die der Meinung sind, sie sind nicht gut genug für ihre Arbeit, ihre Hobbys, sie müssten immer noch mehr leisten. Nur dann könnten sie vor anderen bestehen. Sie definieren sich also über ihre Leistung – wollen sich selbst und anderen immer wieder beweisen, dass sie jemand sind. So überlasten sie ihren Körper, weil ihr Ehrgeiz ihnen keine Chance lässt, sich Ruhe zu gönnen. Zudem sind sie nicht in der Lage, einen Erfolg zu genießen, sondern müssen gleich den nächsten erreichen. So stehen sie ständig unter Strom und kommen nicht zur Ruhe.
  5. Fehlende Strategien zur Stressbewältigung. Um Belastungen auszuhalten und immer wieder neue Kraft zu tanken, brauchen Sie Strategien, die Ihnen Pausen und Erholung verschaffen. Zudem sollen diese Methoden Ihnen helfen, den Druck nicht zu groß werden zu lassen. Menschen, die ausbrennen, sind häufig keine Organisationsgenies. Geht etwas schief, können sie das nicht vergessen, sondern nehmen sich ihr augenscheinliches Versagen lange zu Herzen. Sie tragen es mit nach Hause und so sind sie noch nicht einmal in der Lage, am Feierabend abzuschalten. Es stellt sich also ein permanenter Stresslevel ein, der dazu führt, dass es keine Erholungspausen mehr gibt. Diese fehlende Entspannung lässt sie schließlich ausbrennen.