Entschlackungstees sind wichtig für Ihren Körper, und Rotwein macht Sie gesund: Es gibt unzählige Mythen zum Thema Gesundheit. Leider fallen immer noch zu viele Menschen darauf herein. Auch in meiner Redaktionssprechstunde begegnet mir dieser Irrglaube. Damit Sie zu den besser Informierten gehören und Ihrer Gesundheit einen großen Gefallen tun, kläre ich Sie über die häufigsten Gesundheitsmythen auf, die zurzeit im Umlauf sind.

1. Regelmäßiges Entschlacken hält Sie gesund

Das ist eine Behauptung, die sich hartnäckig hält. Sie resultiert aus der Vorstellung, dass sich in jedem Körper Ablagerungen, sogenannte Schlacken, bilden. Diese sollen Sie angeblich durch bestimmte Tees oder auch Fasten-Ernährungsmethoden bekämpfen können. Die Entschlackungstheorie lässt sich aber bisher durch keine wissenschaftliche Untersuchung nachweisen. Der Körper ist nicht darauf angelegt, Giftstoffe in sich zu behalten. Was genau diese Schlacken sind, bleibt daher offen. Das Einzige, was sich in Ihren Arterien ablagert, ist schlechtes LDL-Cholesterin. Das können Sie aber nicht durch Tees bekämpfen, auch nicht durch Fasten – sondern nur durch ausreichende Bewegung und eine vernünftige Ernährungsumstellung. Und Achtung: Fasten kann darüber hinaus sehr schädlich für Ihre Gesundheit sein.

2. Rotwein macht Sie gesund

Immer wieder taucht Alkohol als gesundheitsförderndes Mittel auf. Gerade Rotwein soll bestimmte Pflanzenstoffe enthalten, die sich zum Beispiel positiv auf die Herzgesundheit auswirken. Das stimmt nicht! Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Alkohol als krebsfördernd ein, vor allem bei Tumoren, die im oberen Verdauungsbereich entstehen, also im Rachen und in der Speiseröhre. Das liegt daran, dass Ethanol die Schleimhäute im Körper durchlässiger macht. So können Gifte in Ihren Körper eindringen und ihn schädigen. Darüber hinaus ist Alkohol ein Mineralstoffräuber. Er entzieht Ihrem Körper Magnesium und verursacht damit eine Unterversorgung. Auch wenn die WHO eine bestimmte Menge Alkohol pro Tag erlaubt – das sind keine Empfehlungen. Verzichten Sie besser möglichst ganz auf alkoholhaltige Getränke.

3. Vitamintabletten können Obst und Gemüse ersetzen

Weit verbreitet ist heute schon der Glaube, dass eine einzige Vitalstoffpille ausreicht, um die tägliche Vitamin- und Mineralstoffversorgung zu decken. Natürlich können Sie mit einer solchen Tablette die bekannten Mineralstoffe und Vitamine zu sich nehmen. Doch abgesehen davon, dass diese meist sehr gering dosiert sind, kennen wir längst nicht alle Stoffe, die die Natur uns in ihren Lebensmitteln bietet. Ein Apfel zum Beispiel enthält mehr als 300 natürliche, wichtige Inhaltsstoffe. Die können Sie in keiner Tablette finden. Darüber hinaus ist noch gar nicht geklärt, wie im Einzelnen diese Stoffe zusammenwirken. Vitamintabletten als Ergänzung sind also sicherlich hilfreich, um gezielt einen Mangel auszugleichen. Sie dienen aber nicht als Ersatz für eine gesunde Ernährung.

4. Kaffee ist ein „Genussgift“

Wenn Sie sich mit dem Thema „Kaffee“ befassen, werden Sie sich wundern: Es gibt kaum ein Krankheitsrisiko, das das schwarze Getränk nicht auslösen soll. Diabetes, Herzinfarkt, Krebs: Kaffee soll mit schuld an jeder Zivilisationskrankheit sein. Wissenschaftlich bewiesen ist nichts davon. Ganz im Gegenteil: Heute gibt es wissenschaftliche Hinweise dafür, dass Kaffee die Gesundheit sogar fördert. So ist die Erkrankungshäufigkeit an Darm- und Leberkrebs unter Kaffeetrinkern geringer. Das Risiko für Gallenkrebs sinkt bei täglichem Genuss von einer bis zwei Tassen um rund 45 %. Außerdem soll Kaffee in der Lage sein, so einige erste Untersuchungen, das Ausbrechen neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz und Parkinson zu verzögern.

5. Sie nehmen ab, wenn Sie komplett auf Fett verzichten

Fett macht fett – das ist Fakt. Dieser Satz geriet ins Wanken, als die sogenannte Atkins-Diät erfolgreich war. Bei dieser Ernährungsform wird möglichst komplett auf Kohlenhydrate verzichtet. Stattdessen wird Fett in Massen gegessen bzw. Sie decken Ihre Kalorienaufnahme über fett- und eiweißreiche Produkte. Falsch ist es, Fett generell zu verteufeln. Sie brauchen Fett – auf jeden Fall. Sie sollten auf tierisches Fett verzichten, dafür mit hochwertigen Pflanzenölen, zum Beispiel Raps- oder Olivenöl, kochen. Wenn Sie dann noch die richtige Menge Kohlenhydrate zu sich nehmen – zwischen 20 und 100 Gramm am Tag, abends keine und als Diabetiker auch möglichst keine –, dann sind Sie auf dem richtigen Weg und werden auch Ihr Gewicht auf gesunde Weise verringern können.

6. Frauen haben ein geringeres Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben

Das stimmt nur zur Hälfte. Bis zu den Wechseljahren haben Frauen tatsächlich einen natürlichen Schutz gegen Herzinfarkte durch das Geschlechtshormon Östrogen. Wenn aber in den Wechseljahren der Pegel dieses Hormons absinkt, nimmt auch der natürliche Schutz der Frauen ab. Die Rate der Herzinfarkte bei Frauen steigt während der Wechseljahre stark an. Also ist rechtzeitiger Herzschutz ein genauso wichtiges Thema für Frauen wie für Männer.

7. Lärm in Großstädten stört, schädigt aber nicht die Gesundheit

Diese Aussage ist grundfalsch, zeigt aber, dass Lärm heute leider immer noch unterschätzt wird. Studien zeigen nämlich, dass dauerhafter Lärm schon bei 65 Dezibel am Tag bzw. 55 Dezibel bei Nacht Ihre Gesundheit schädigen kann. Dabei muss sich der Krach noch nicht einmal direkt auf Ihr Hörvermögen auswirken. Meist handelt es sich um ganz andere Gesundheitsschäden, die auftreten: Lärm stresst Ihren ganzen Organismus. Sind Sie dauerhaftem Lärm ausgesetzt, steigt Ihr Blutdruck deutlich an. Und das Herzinfarktrisiko erhöht sich messbar. Auch Depressionen, Asthma und Migräne kommen bei Menschen, die stetigem Lärm ausgesetzt sind, sehr häufig vor.

8. Die Gefahr von Umweltgiften ist langsam vorbei

Das stimmt mal wieder nur zur Hälfte. Die altbekannten Gifte Blei und Quecksilber kommen tatsächlich nur noch in so geringen Mengen vor, dass es zu keiner gesundheitsschädlichen Grenzwertüberschreitung mehr kommt. Auch Formaldehyd und Kohlenwasserstoffe sind mehr oder minder Vergangenheit, das Pflanzenschutzmittel DDT ist ganz verboten. Dafür aber machen sich neue Gifte breit. Denken Sie nur an PFT, das vor einiger Zeit die Natur in Teilen Nordrhein-Westfalens verunreinigt hat. Auch die Feinstaubbelastung ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Zudem wissen wir noch nicht, wie sich neue Werkstoffe, z.B. Nanopartikel, auf die Gesundheit auswirken. Es gibt also keinen Grund zur Entwarnung.

9. Antibiotika bei Grippe sind sinnlos

Das stimmt nicht. Bei einer echten Grippe sind Antibiotika durchaus sinnvoll, auch wenn die Erkrankung von Viren ausgelöst wird und die Medikamente nur gegen Bakterien wirken. Doch die Viren schwächen die Atemwege so sehr, dass sich leichter Bakterien ansiedeln können. Hieraus resultieren auch die meisten Todesfälle einer Grippe-Epidemie.

10. Viele Infektionskrankheiten in der Kindheit schützen vor Allergien im späteren Leben

Das wäre schön, stimmt so aber nicht. Finnische Forscher haben das in der sogenannten Hygiene-Hypothese überprüft. Sie fanden keinen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Infektionen und einer späteren Allergie bzw. Erkrankung an allergischem Asthma.

11. Der Blinddarm hat keine Funktion

Bis vor Kurzem war man tatsächlich dieser Meinung – manche Ärzte tendierten daher sogar zu vorbeugenden Blinddarmoperationen. Aber in unserem Körper ist nichts funktionslos – auch der Blinddarm nicht. Das haben jetzt Wissenschaftler der Duke University in North Carolina/USA herausgefunden. Sie entdeckten, dass der Blinddarm ein Rückzugsraum für die wichtigen, guten Darmbakterien ist. Sie wandern in den Blinddarm, sobald Sie an Durchfall erkranken. Der Blinddarm hat dann auch die Funktion eines „Back-up-Systems“ – von ihm aus wird nach der Krankheit die Neubesiedelung des Darms gestartet.

12. Heiße Bäder senken die männliche Fruchtbarkeit

Genauso wie enge Hosen sollen heiße Bäder dauerhaft die Fruchtbarkeit herabsetzen. Das stimmt nur zum Teil. Forscher der University of California in San Francisco haben Männer untersucht, die mindestens ein heißes Bad pro Woche nahmen. Sowohl die Spermienanzahl als auch deren Beweglichkeit waren reduziert. Das Gleiche galt für Männer, die enge Hosen trugen. Werden die beiden Faktoren aber weggelassen, erhöhte sich die Spermienanzahl in drei bis sechs Monaten um fast 500 %.