Mehr als zehn Millionen Menschen in Europa leiden unter einer sozialen Angststörung. Sie ziehen sich komplett zurück. Grund für die soziale Phobie ist ein Wechselspiel zwischen Umweltfaktoren, zum Beispiel erlebten Beschämungen oder Beleidigungen, und neurobiologischen Faktoren. Aber welche der vorhandenen Therapien ist in diesem Fall wirklich hilfreich?

Medikamente oder Psychotherapie?

Um die soziale Phobie anzugehen, gibt es zwei Methoden: Medikamente oder eine Psychotherapie. Die Pillen scheinen der schnelle Weg zu sein, die Probleme loszuwerden. Denn bis die Therapie zu wirken anfängt, dauert es. Es liegt eine schwere Zeit vor Ihnen, Sie müssen viel Zeit einplanen und auch eventuell schmerzende Erkenntnisse akzeptieren.

Forscher der Universität Gießen haben sich mit der Frage befasst, welche Therapie besser wirkt, und haben herausgefunden, dass es sich lohnt, die Mühen einer Psychotherapie auf sich zu nehmen. Diese Therapie wirkt deutlich nachhaltiger als die Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, modernen Antidepressiva.

Zwei Methoden zum bekämpfen sozialer Phobie

Um eine soziale Phobie zu bekämpfen, gibt es zwei Methoden: die kognitive Verhaltenstherapie und die psychodynamische Therapie. Bei Letzterer werden die Angstursachen analysiert. Sie beschäftigen sich zusammen mit Ihrem Therapeuten mit den Situationen, in denen die Angst auftritt.

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Sie, dass Sie sich nicht auf sich selbst konzentrieren, sondern zum Beispiel während eines Vortrags auf Ihre Zuhörer. Welche Therapieform für wen in Frage kommt, ist bis heute nicht geklärt, vielmehr müssen Sie das ausprobieren.

Forscher arbeiten zwar an der Antwort auf diese Frage. Bisher konnten sie aber bestehende Symptome und Charakterzüge noch keiner Therapieform zuordnen. Vielmehr gilt: Manche Menschen kommen mit der kognitiven Therapie klar, für andere ist sie ein Graus – das gilt auch für die psychodynamische Therapie.