Von wegen „Sport ist Selbstmord“. In den letzten Monaten gingen sie ein paar Mal durch die Medien: Die Fälle von jungen Sportlern, die während des Sports tot zusammenbrachen. Ist also doch etwas dran an dem Satz, dass Sport Mord sei? Ich erkläre Ihnen, wie Sie solche Unglücksfälle zu bewerten haben und warum Sport Ihrem Herzen wirklich nicht schadet, sondern – im Gegenteil – Sie sogar vor Herzinfarkten und anderen Herzerkrankungen schützt.

Es gibt viele Beispiele für Menschen, die während einer sportlichen Betätigung an einem plötzlichen Herztod sterben. Dem Schriftsteller Douglas Adams ist es so ergangen – er starb auf einem Hometrainer. Vor allem während der immer beliebter werdenden Marathonveranstaltungen brechen immer wieder Läufer tot zusammen. Und selbst Sport vor dem Fernsehen kann gefährlich sein. Während einer Fußball WM kommt es statistisch gesehen zu 25 % mehr Herzinfarkten. Der Grund: Die Aufregung während eines spannenden Spiels ist zu groß für manches geschwächte Herz. Also ist Sport tatsächlich Mord? Glauben Sie mir: es sterben ebenso viele Menschen beim Sport am plötzlichen Herztod wie auf der Fahrt zur Arbeit. Kommt daher irgendjemand auf die Idee, dass der Weg zur Arbeit leichtsinniger Selbstmord sei?

Vier plötzlichen Herztoden pro eine Million Menschen, die Sport treiben, stehen fast 200.000 tödliche Herzinfarkte pro Jahr beim Rest der Bevölkerung gegenüber. Halten wir also fest: Die Wahrscheinlichkeit, beim Sport an einem Herzinfarkt zu sterben, ist verglichen mit anderen Situationen verschwindend gering. Die Argumentation „Sport ist Selbstmord“ ist tatsächlich völliger Quatsch und statistisch nicht belegbar. Die Besitzer des schwachen Herzens, die bei den WM-Übertragungen gestorben sind, hätten wahrscheinlich leider auch bei einer anderen aufregenden Situation sterben können.

Training hält Ihren Muskel „Herz“ fit

Fakt dagegen ist: Ihr Herz ist ein Muskel. Und genau wie jeder andere Muskel bleibt es fit, wenn es ständig trainiert wird. Übrigens: Wussten Sie schon, dass ein dünner Mensch, der schlecht trainiert ist, ein wesentlich höheres Risiko für Herzerkrankungen hat als ein übergewichtiger Mensch, der Sport regelmäßig treibt? Aber Sie können sich dieses Herzinfarkt-Schicksal ersparen. Denn aus Studien wissen wir, dass man das Risiko, eine koronare Herzkrankheit zu erleiden, durch Bewegung um 90 % senken kann. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod senken Sie dadurch gleich um 60 % mit. Also: Rein in die Laufschuhe!

8 Gründe, warum Ihr Herz vom Sport profitiert

  1. 90 % aller Herzinfarkte lassen sich vermeiden – durch regelmäßige Bewegung. Denn Bewegungsmangel, wie er bei vielen Menschen vorliegt, gehört zu den größten Risikofaktoren.
  2. Durch Bewegung können Sie Ihre Blutfettwerte wie LDL-Cholesterin und Triglyceride senken, die sonst Ihre Gefäße, die zum Herzen führen, verstopfen können.
  3. Durch Sport bauen Sie Stresshormone ab. Dadurch verhindern Sie Ablagerungen an den Gefäßwänden. Verstopfen dagegen Ihre Arterien, kann dies ein Risikofaktor für Herzinfarkt in naher Zukunft sein.
  4. Hoher Blutdruck ist ein deutliches Infarktrisiko. Durch Bewegung können Sie einen zu hohen Blutdruck senken. Positiver Nebeneffekt: Dieser niedrige Blutdruck sorgt dafür, dass Ihr Herz in einem Jahr zehn Millionen Mal weniger schlagen muss. So verlängern Sie die Lebensdauer Ihres Herzens um ein Drittel.
  5. Regelmäßiger Sport macht Ihr Herz kräftiger. So werden die Herzwände dicker und können mehr leisten. Auch die Kammern Ihres Herzens nehmen an Volumen zu. Es wird mehr Blut durch Ihren Körper gepumpt. So werden die Organe besser mit Sauerstoff versorgt und können effizienter arbeiten.
  6. Der Bypass ist eine der häufigsten Herzoperationen, mit dem Engpässe in den Gefäßen umgangen werden. Ihr Körper kann sich durch Bewegung Bypässe selbst bilden, indem er kleine Adern um Engstellen herum errichtet.
  7. Haben Sie eine leichte Herzschwäche? Noch vor einigen Jahren hätte man Ihnen geraten, sich auf jeden Fall zu schonen. Heute weiß man, dass Sie durch diese fehlende Bewegung Ihr Herz nur noch mehr schwächen würden. Stattdessen sollten Sie ein mäßiges Ausdauertraining betreiben. Es macht Ihr Herz fit und stark.
  8. Stress kann Ihren Gefäßen und Ihrem Herz schaden. Wenn Sie aber Sport treiben, dann kann Ihr Körper die negativen Folgen, die normalerweise vom Stress ausgehen, abmildern. Studien haben nämlich gezeigt, dass Menschen, die Sport treiben und unter Stress stehen, einen niedrigeren Blutdruck haben als diejenigen, die sich wenig oder kaum bewegen.

So bringen Sie Ihr Herz in Topform

  • Trainieren Sie ausdauernd. Es ist egal, wie Sie sich regelmäßig bewegen. Ob Sie walken, joggen, Rad fahren, schwimmen. Jede dieser Bewegungsarten tut Ihrem Herzen gut. Entscheidend ist, dass es sich um einen Ausdauersport handelt. Dieser stärkt Ihr Herz, und Sie reduzieren Ihr Risiko, wirklich einen Herzinfarkt zu erleiden. Es sollte zudem eine Sportart sein, die Ihnen Spaß macht. Denn nur so bleiben Sie auch bei der Sache.
  • Disziplin muss sein. Sport ist nur gesund für Ihr Herz, wenn Sie sich regelmäßig betätigen. Sie sollten sich als Ziel setzen, jeden Tag eine halbe Stunde zu trainieren. Am besten suchen Sie sich eine feste Tageszeit aus. Mein Tipp: Treiben Sie gleich morgens nach dem Aufstehen Sport. Dann kann Ihnen im Laufe des Tages nichts mehr dazwischenkommen. Sie werden merken: Schon nach einem Monat „müssen“ Sie keinen Sport mehr treiben, Sie „wollen“ plötzlich. Die Bewegung ist zum festen Ritual, zum Alltag geworden – wie Zähneputzen und Duschen.
  • Die richtige Menge macht’s. Vielleicht haben Sie Ihr Herz lange vernachlässigt und sich über Jahre hinweg kaum bewegt. Nun wollen Sie wieder aktiv werden. Aber Vorsicht: Sie können und dürfen nicht alles in drei Monaten aufholen, was Sie in den letzten Jahren verpasst haben. Sonst überfordern Sie sich und Ihren Körper – und Sport wird zum Stress, anstatt ein Garant für Gesundheit zu sein. Lassen Sie es daher langsam angehen. Fangen Sie mit zehn Minuten an jedem zweiten Tag an und steigern Sie sich allmählich bis auf eine halbe Stunde täglich.
  • Behalten Sie Ihren Puls im Auge. Ihren Trainingspuls sollten Sie immer beobachten, denn Ihr Herz darf keinesfalls zu schnell schlagen. Es profitiert nämlich nur dann vom Sport, wenn Sie sich mit dem optimalen Puls bewegen. Wenn Sie diese Tipps beachten, wird Ihr Herz vom Sport profitieren – und dieser vom „Mörder“ zum „Lebensretter“ für Sie und Ihr Herz.