Schon wieder ein Pfund zugenommen? Dabei haben Sie doch eigentlich gar nicht so viel gegessen? Vorsicht – häufig haben Sie Angewohnheiten in Ihrer Ernährung, die Sie gar nicht mehr wahrnehmen, die Ihnen aber jede Menge unnötiger Kalorien bescheren – sogenannte Dickmacher! Ich erkläre Ihnen die sieben typischen Kalorien-Fallen und zeige Ihnen Strategien, mit denen Sie diese umgehen können.

Die Geschwister-Falle.

Es gibt Ess-Gewohnheiten, deren Wurzeln in Ihrer Kindheit liegen. So wissen wir zum Beispiel aus unterschiedlichen Untersuchungen, dass Einzelkinder und die ältesten Kinder einer Familie ein bestimmtes Essverhalten teilen: Sie essen langsam und in Ruhe. Zudem verzehren sie zunächst die ungeliebteren Speisen und verwahren sich das Beste bis zum Schluss. Jüngere Geschwister dagegen essen die Lieblingsspeise als Erstes und meist sehr hektisch und übereilt. So ist das bevorzugte Essen weg und niemand kann es ihnen abnehmen. Dieses Verhalten behalten sie dann auch im Erwachsenenalter bei. Es führt dazu, dass sie nicht nur übereilt alles in sich hineinschaufeln, sondern auch viel mehr essen, als sie eigentlich müssten und bräuchten.

Mein Tipp: Um aus dieser Geschwister-Falle zu entkommen, brauchen Sie viel Disziplin und müssen sich bei jeder Mahlzeit daran erinnern, dass Ihnen niemand etwas wegnehmen wird. Sie müssen sich zwingen, langsam zu essen – am besten, indem Sie jeden Bissen gründlich kauen. Eventuell hilft es Ihnen auch, wenn Sie nach jedem Bissen Messer und Gabel erst einmal wieder zur Seite legen.

Die Größen-Falle.

Wer gibt Ihnen das Signal, dass Sie sich satt fühlen? Wenn Sie jetzt sagen: der Magen, dann liegen Sie falsch. Es sind Ihre Augen, die bestimmen, ob Sie mit größeren oder kleineren Portionen zufrieden sind. Das haben mehrere Untersuchungen bewiesen, die alle ein Thema hatten: Wie viel essen Menschen von unterschiedlich großen Tellern? Den Probanden wurde ihr Essen auf Tellern mit unterschiedlich großen Durchmessern serviert. Das Ergebnis: Von den größeren Tellern aßen die Testesser rund 30 % größere Portionen als von kleineren Tellern. Das liegt daran, dass Portionen auf großen Tellern grundsätzlich kleiner aussehen.

Mein Tipp: Verzichten Sie auf große Teller. Gerade die riesigen Pasta- und Pizzateller sollten Sie nach ganz hinten in den Schrank verbannen. Greifen Sie besser zu kleineren Esstellern. Auch Löffel und Schüsseln sollten Sie möglichst klein wählen. Zusätzlich können Sie mit Dekoration Ihren Teller noch verkleinern. Einige Salatblätter und Petersiliensträußchen nehmen Fläche ein, die Ihnen dann nicht mehr für die eigentliche Mahlzeit zur Verfügung steht.

Die Tellerleeressen-Falle.

Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Falle, die ihre Wurzeln in der Kindheit hat. Ihnen ist schon als kleines Kind eingetrichtert worden, dass Sie das, was Sie auf dem Teller haben, auch aufessen müssen. So essen Sie auch heute noch Ihren Teller leer, auch wenn Sie eigentlich schon satt sind. Dadurch nehmen Sie jede Menge unnützer Kalorien zu sich und verlieren nach und nach Ihr Sättigungsgefühl.

Mein Tipp: Der Weg aus dieser Falle wird Ihnen auch nur mit viel Disziplin gelingen, wenn Sie vor Ihren normal großen Tellern sitzen bleiben. Sie werden es kaum schaffen, plötzlich etwas auf dem Teller zu lassen. Eine ganz einfache Lösung ist daher, wenn Sie Ihre Portionen von vornherein kleiner halten. Wählen Sie dazu ebenfalls kleinere Teller, dann können Sie auch ohne schlechtes Gewissen aufessen.

Die Nähe-Falle.

Sie kennen das Phänomen sicher: Stehen Chips, Schokolade oder süße und alkoholische Getränke in Reichweite, greifen Sie gerne einmal mehr zu. Müssen Sie allerdings aufstehen, um sich Nachschub zu holen, essen und trinken Sie deutlich weniger. Das Ganze haben Forscher übrigens nachgewiesen, indem sie in einem Büro den Schokokuss-Test machten: Sie stellten den Angestellten die Leckerei einmal auf den Tisch und einmal auf einen Schrank in zwei Metern Entfernung. Das Ergebnis: Diejenigen, die die Schokoküsse direkt vor sich stehen hatten, aßen doppelt so viele wie diejenigen, die aufstehen mussten.

Mein Tipp: Wenn Sie aufstehen müssen, um eine zweite Portion zu erhalten, siegt häufig der innere Schweinehund  – Sie bleiben lieber sitzen. Daher sollten Sie die Servierschüsseln direkt auf dem Tisch abschaffen. Das gilt sowohl für die Fleisch- und Kartoffelschüssel als auch für die Bonboniere. Füllen Sie sich eine kleine Portion auf einen Teller – den Rest lassen Sie in der Küche oder der Vorratskammer liegen.

Übrigens: Für Obst und Gemüse gilt dies natürlich nicht – hier dürfen Sie sich so viele Vorräte wie Sie möchten mit an Ihren Platz nehmen.

Die Aufräum-Falle.

Forscher haben herausgefunden, dass wir uns nur dann an die gegessene Menge genau erinnern, wenn wir die Reste dieser Portionen vor Augen haben. Sie hatten den Studienteilnehmern Hähnchenflügel serviert. Wurden die Knochen und sonstigen Reste immer sofort weggeräumt, aßen die Testesser rund ein Drittel mehr, als wenn die Abfälle liegen blieben. Hinzu kam, dass die „Vielesser“ die von ihnen verzehrte Menge deutlich geringer einschätzten.

Mein Tipp: Räumen Sie nicht zu früh auf, wenn Sie beispielsweise vor dem Fernseher oder am Schreibtisch etwas naschen. Lassen Sie den „Abfall“, zum Beispiel die Nussschalen auf dem Tisch liegen: So haben Sie direkt vor Augen, wie viel Sie gegessen haben.

Die Bewegungs-Falle.

Sie treiben regelmäßig Sport, aber auf der Waage tut sich gar nichts? Das kann natürlich daran liegen, dass Ihr Körperfett in Muskeln umgewandelt wird und Muskeln sind schwerer als Fett. Oft liegt es aber auch daran, dass Sie überschätzen, wie viel Kalorien Sie durch Sport tatsächlich verbrennen. „Ach, das Cremetörtchen kann ich mir leisten  – ich treibe ja Sport!“  – diesen Satz hört man häufig. Wenn aber das Cremetörtchen 400 Kalorien hat und Sie durch den Sport nur 350 verbraucht haben, dann haben Sie nicht nur völlig umsonst trainiert, sondern noch 50 Kalorien zusätzliches „Hüftgold“ erworben.

Mein Tipp: Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie nach dem Sport etwas zu essen brauchen, sollten Sie nicht zu süßen Sünden greifen. Probieren Sie doch einmal einen Magerquark mit frischem Obst aus. Oder Sie tunken Gemüsestreifen in eine frische, selbstgemachte Sauce aus magerem Joghurt und Kräutern. Das sättigt, ist lecker, aber dennoch kalorienarm.

Die Trost-Falle.

Essen dient häufig als Seelentröster. Bei Trauer, bei Stress, Verzweiflung oder zur Entspannung greifen viele Menschen entweder zu kalorienreichen Snacks oder gleich zu ihrem Lieblingsessen. Beim Verzehr werden Glückshormone freigesetzt, die zumindest eine Zeit lang für Erleichterung sorgen – so lange, bis die Mahlzeit verdaut und die Hormone wieder abgebaut sind. Die logische Konsequenz: Die nächste Portion muss her!

Mein Tipp: Auch wenn Essen niemals ein Trost sein sollte  – manchmal lässt sich das nicht vermeiden. Aber damit Sie sich wieder besser fühlen, muss es nicht gleich die größte Portion sein. Es reicht eine kleine Menge, zum Beispiel eine Kugel Eis statt des Jumbo-Bechers. Überlegen Sie auch einmal, ob es nicht eine kalorienärmere Alternative zu Ihrer Lieblingsspeise gibt, zum Beispiel Sorbet statt Milcheis. Dann können Sie sich einen solchen Seelentröster auch wirklich guten Gewissens erlauben.