1. Lernen Sie in Stücken. Nehmen Sie das oben angesprochene Gedicht – oder jeden anderen Vierzeiler als Beispiel. Nun lernen Sie zunächst die erste Zeile (also den ersten Vers) auswendig. Dann wenden Sie sich dem zweiten Vers zu und prägen sich diesen ein. Wiederholen Sie jetzt Vers eins und zwei am Stück. Dann prägen Sie sich den dritten und vierten Vers ebenso ein. Danach wiederholen Sie das gesamte kleine Gedicht. Auf diese Weise können Sie sich auch lange Texte oder Vokabeln merken, eben alles, was Sie auswendig lernen möchten oder müssen. 
  1. Lassen Sie es langsam angehen. Wenn Sie zum ersten Mal etwas auswendig lernen, ist Ihre Merkkapazität begrenzt. Sie merken sich dann vielleicht 30 neue Vokabeln, eine dreiviertel Seite eines Gedichts oder eine halbe Seite eines Textes in einer fremden Sprache. Umgerechnet bedeutet dies, dass Sie sich nicht mehr als 20 Minuten auswendig lernen pro Tag zumuten sollten. Dann beenden Sie Ihre Übung – und machen am nächsten Tag weiter.
  1. Machen Sie Pause. Fünf Minuten von den 20 Minuten, die Sie am Tag für das Auswendiglernen verwenden sollten, müssen Sie in eine Lernpause investieren. Sie sollten Ihre Lerneinheit so aufbauen, dass Sie sich zehn Minuten dem Text oder den Vokabeln widmen. Dann – und das ist ganz wichtig – machen Sie fünf Minuten lang Pause. In dieser Zeit erledigen Sie etwas ganz anderes. Kochen Sie sich einen Kaffee, schauen Sie nach der Post; Hauptsache ist, Sie beschäftigen sich nicht mit dem, was Sie gerade noch gelernt haben. Nach dieser Pause widmen Sie sich wieder dem Text: Wiederholen Sie ihn im Kopf. Ich wette mit Ihnen, dass Sie einen Teil wieder vergessen haben werden. Dann schauen Sie für diese Stelle auf Ihre Notizen oder in Ihr Buch. Dennoch ist solch eine auswendige Wiederholung sehr wichtig. Denn wenn Sie etwas auf diese Weise einmal wiederholen, merken Sie es sich genauso gut, als wenn Sie den Text drei bis viermal lesen.
  1. Wiederholen Sie Ihre Lerneinheiten. Wichtig dabei ist der richtige Abstand der Wiederholungen. Setzen Sie die erste Wiederholung genau acht Stunden nach dem Lernvorgang an. Das bedeutet, am nächsten Morgen, wenn Sie gelernt haben, bevor Sie ins Bett gegangen sind. Oder am Abend, wenn Sie sich gegen Mittag mit Ihrem Text befasst haben. Die zweite Wiederholung erfolgt dann genau nach einem Tag, die dritte genau zwei Tage nach der zweiten Wiederholung. Sie werden merken, dass Ihr Text sich nun schon so gut in Ihrem Gehirn verfestigt hat, dass Sie ihn ohne Vorlage wiederholen können. „Schuld“ daran sind die Lernpausen, die Sie machen. In diesen befasst sich Ihr Unterbewusstsein nämlich weiterhin mit dem Text, verknüpft neue Informationen mit schon vorhandenen und setzt weitere Nervenverbindungen. Diese tragen dazu bei, dass sich das Gelernte in Ihrem Gehirn verfestigt.
  1. Behalten Sie den Text – Ihr ganzes Leben lang. Wollen Sie einen Text wirklich ein Leben lang behalten, zum Beispiel die Vokabeln einer Fremdsprache oder ein Gedicht, das Ihnen besonders am Herzen liegt, müssen Sie einfach weiter wiederholen. Den Zeitabstand für diese Wiederholungen können Sie sich selbst setzen: Sie verdoppeln einfach den vorherigen Abstand der Wiederholung. Die nächste Wiederholung fände dann nach vier Tagen, nach acht, sechzehn, einem Monat, zwei Monaten und so weiter statt. Das können Sie dann natürlich zwischendurch machen – Sie sind so sicher, dass Sie kein Buch mehr brauchen. Nutzen Sie die Zeit in einer Warteschlange oder beim Sport und wiederholen Sie Ihren Text im Kopf. Jedes halbe Jahr sollten Sie sich dann so eine kurze Wiederholung gönnen – auf diese Weise bleibt alles frisch und jederzeit in Ihrem Gedächtnis abrufbar. Wichtig ist, dass Sie sich nicht von vornherein überfordern. Beginnen Sie mit kurzen Einheiten, die Sie lernen wollen. Starten Sie direkt mit Schillers Lied von der Glocke, werden Sie garantiert scheitern. Haben Sie aber einige kleinere Texte mit meinen Tipps auswendig gelernt, können Sie die Textmenge langsam steigern. Und in einem halben Jahr wird es Ihnen dann auch nicht mehr wirklich schwer fallen, seitenlange Texte