Eiweißmangel: Risiken im Alter - So halten Sie Knochen und Immunsystem dauerhaft stark

Der Eiweißmangel ist besonders im Alter häufiger als vermutet, obwohl wir häufig lesen: „Wir essen alle zu viel Eiweiß“. Nur wenn Sie rechtzeitig damit anfangen, Ihre Eiweißspeicher aufzufüllen, können Sie eigenen Defiziten und eventuell auch dem Proteinmangel Ihrer Eltern vorbeugen.

Eiweiß ist der wichtigste Nährstoff für unseren Körper. Das Gesamt-Eiweiß setzt sich aus den 22 einzelnen Eiweißbausteinen, den Aminosäuren, zusammen. Diese wiederum können Sie mit einem Lego-Baukasten vergleichen. Denn alles Leben setzt sich aus diesen Bausteinen zusammen. Ohne Aminosäuren ist es nicht möglich, dass Zellen, Knochen oder Muskeln aufgebaut werden. Ohne sie ist aber auch eine funktionierende Hormonausschüttung nicht denkbar.

Sie können gar nicht zu viel Eiweiß essen

Leider überwiegt heute die Ansicht, dass wir mit unserer Nahrung zu viel Eiweiß aufnehmen. Darüber hinaus bekommen Sie an allen Ecken und Enden zu hören, dass zu viel Eiweiß ungesund ist. Wirklich? Dann müsste es mir sehr schlecht gehen. Denn ich habe den Selbstversuch gemacht: Ich habe Austern gegessen, bis nichts mehr in mich hineinpasste. Und? Ich erfreue mich bester Gesundheit.

Genau das Gegenteil ist zutreffend. Zu wenig Eiweiß hat verheerende Folgen für Ihren Körper - der Eiweißmangel. Die genauen Auswirkungen dabei sind vielschichtig. Besonders auffällig beim Eiweißmangel sind Störungen des Immunsystems und des Knochenaufbaus. So konnten bei Menschen mit niedrigem Eiweißspiegel in einem hohen Prozentsatz krankhafte Lymphozytenzahlen festgestellt werden. Intakte Lymphozyten sind aber unabdingbar für unsere Immunabwehr.

Dies erklärt die Tatsache, dass man bei Patienten mit niedrigem Gesamteiweiß eine erhöhte Komplikationsrate bei einfachen Infekten feststellt. Eine leichte Erkältung, die Menschen mit einem hohen Eiweißspiegel einfach wegstecken würden, verursacht bei Menschen mit Eiweißmangel im Extremfall sogar eine Lungenentzündung.

Eiweißmangel: Zu wenig Eiweiß lässt Ihre Knochen brechen

Aber auch Ihre Knochen leiden unter dem Eiweißmangel. Denn die Aminosäuren haben einen großen Einfluss auf das Knochengerüst. Es hat sich gezeigt, dass ältere Menschen mit Knochenbrüchen der Hüfte, des Oberschenkels und der Wirbelkörper gehäuft an einem Proteinmangel leiden. Zu wenig Eiweiß im Blut beschleunigt darüber hinaus den altersbedingten Knochenverlust. Da der Knochen über 50 % aus Eiweiß besteht, sind die Aminosäuren für den Knochenaufbau ebenso wichtig wie das Kalzium. Leider assoziiert man mit dem Thema Knochenaufbau und Osteoporose-Prophylaxe immer nur Kalzium, und viel zu selten Eiweiß. Für Menschen mit einem hohen Eiweißspiegel dagegen ist also auch Osteoporose kein Thema.

Einem Eiweißmangel mit richtigen Eiweiß-Werten vorbeugen

Für Prophylaxe ist es nie zu früh – und nur selten zu spät! Machen Sie den Test: Lassen Sie beim Arzt einmal Ihren Eiweißspiegel messen. Mein Wunsch, nicht nur für mich, sondern auch für meine Patienten und für Sie, meine Leser: immer einen Eiweißspiegel im Blut im oberen Normbereich. Nur dann ist gewährleistet, dass alle wertvollen Aminosäuren ausreichend vorhanden sind. Normal sind Werte von 6,6 bis 8,6 g/dl. Alles was in diesem Bereich gemessen wird, gilt als normal.

Mit diesen Normalwerten sollten Sie sich aber nicht zufrieden geben. Für Ihre Gesundheit und Ihre Leistungsfähigkeit ist es ein himmelweiter Unterschied, ob Sie sich im oberen oder im unteren Normbereich befinden. Für meine Patienten strebe ich immer den oberen Normbereich an. Faustregel in meiner Praxis: Ab 7,7 g/dl „beginnt das Leben“. Daran sollten auch Sie sich halten – und wenn Ihr Arzt Ihnen bescheinigt, dass Ihr Eiweißwert normal ist, besser noch einmal genau hinsehen.

Leider sind die wenigsten Ärzte über die Wichtigkeit des Eiweiß-Wertes informiert. Und Sie wundern sich, warum Sie antriebslos sind und es Ihnen nicht richtig gut geht – trotz eines vermeintlich normalen Wertes.

Gegen Eiweißmangel helfen diese Eiweißbomben

Wahre Eiweißbomben sind Kombinationen wie Pellkartoffeln mit Quark oder die bekannte Kartoffel-Ei-Diät. Auch Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen sind hervorragende Eiweißlieferanten. Erst dann folgen mageres Fleisch und Fisch auf unserer Eiweiß-Hitliste. Ich weiß aber von meinen Patienten, dass es älteren Menschen zunehmend schwer fällt, große Mengen von unseren natürlichen Eiweißlieferanten zu verspeisen.

Ebenfalls lässt die Magensäureproduktion, die für die Eiweißaufspaltung im Magen unerlässlich ist, ab dem 40. Lebensjahr kontinuierlich nach. Meinen Patienten empfehle ich daher ein Einweißkonzentrat, was reich an essenziellen Aminosäuren, dabei aber frei von Cholesterin und Harnsäure ist. Bei Gesamteiweiß-Werten unter 7,0 g/dl sollten Sie 3-mal 3 Esslöffel, bei Blutwerten bis 7,5 g/dl 2-mal 3 Esslöffel, und bis 8,0 g/dl 1-mal 3 Esslöffel täglich einnehmen. Am besten können Sie das Pulver z. B. in Jogurt einrühren.

Tags: Eiweißmangel, Proteinmangel

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