Schluss mit den Ausreden: Es gibt kein „zu alt“ für Sport!

Glauben Sie ja nicht, der innere Schweinehund wird im Alter handzahm. Im Gegenteil: In der Regel wird er im Laufe seines Lebens nur noch widerspenstiger und macht gemeinsame Sache mit dem Argument: „Im Alter ist Sport nichts mehr für mich.“

Über 70 % aller Menschen über 60 Jahre treiben gar keinen Sport, so eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts. Die meisten gaben bei dieser Befragung an, dass ihnen die körperliche Bewegung zu beschwerlich sei oder sie Angst haben, sich zu verletzen. Dabei stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Bewegungsmangel als gefährlicheren Risikofaktor für viele Krankheiten ein als das Rauchen. Machen wir also Schluss mit dem Argument: „Ich bin zu alt für Sport.“ Denn ...
... alle diese Ausreden sind keine wirklichen Gründe

  •  „Ich habe so lange keinen Sport mehr getrieben, da brauche ich jetzt auch nicht mehr anzufangen.“ Falsch! Es ist nie zu spät. Und gerade wenn Sie im Alter erst mit Sport anfangen, erzielen Sie rasche Trainingserfolge und steigern schnell Ihre körperliche Leistungsfähigkeit. Durch Walken, Radfahren oder Schwimmen bauen Sie schnell Arm- und Beinmuskeln wieder auf, Sie erlangen Beweglichkeit zurück und steigern gleichzeitig Ihre Koordinationsfähigkeit.
  • „Das Risiko, dass ich mich verletze, ist viel zu groß. Und alte Knochen heilen doch so schlecht.“ Keine schlechte Ausrede, aber wissenschaftliche Untersuchungen von Unfallchirurgen aus Berlin haben ergeben, dass gerade die Senioren, die unsportlich sind, ein großes Verletzungsrisiko aufweisen. Treiben Sie dagegen Sport, sind Ihre Reaktionen so geschult, dass Sie sich sofort wieder fangen, falls Sie einmal „aus dem Tritt“ geraten. Und wenn Sie sich doch einmal verletzen sollten, werden Sie viel schneller wieder fit sein, wenn Ihre Muskeln und Knochen durch Sport vortrainiert sind.
  • „Ich fühle mich doch eh schon so schlapp und mir ist oft schwindelig. Und da soll ich mich noch sportlich betätigen?“ Ja, genau dann ist es Zeit für Sport. Und Sie werden feststellen, dass Ihre Beschwerden bald der Vergangenheit angehören. Durch Sport versorgen Sie Muskeln, Gehirn und Lunge mit viel Sauerstoff. Schadstoffe, die Ihren Körper belasten, wie Schlacken oder Säuren, werden durch den angeregten Stoffwechsel und die tiefere Atmung schneller abtransportiert. Ihr Körper wird entlastet, Sie fühlen sich fit. Schwindel, aber auch Müdigkeit, ausgelöst durch Sauerstoffmangel, verschwinden so ganz einfach. Zudem regt Sport das Immunsystem an, sodass Sie sich mit viel weniger Erkältungen und Infekten herumplagen müssen.

Sport macht Sie wirklich schlauer!

Viele meiner älteren Patienten beklagen sich darüber, dass sie oft Kleinigkeiten vergessen – tun dies aber gleichzeitig als Alterserscheinung ab. Auch hier kann Sport helfen. Denn er hat nicht nur positive Auswirkungen auf Ihren Körper. Wissenschaftler der Universität Erlangen haben herausgefunden, dass Sport auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns erhöht. Die Forscher entdeckten, dass Senioren, die 3-mal pro Woche zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde walken, die so genannten exekutiven Kontrollfunktionen ihres Gehirns verbesserten. Sie konnten aufgrund dieses Trainings besser

  • planen,
  • koordinieren,
  • strukturieren,
  • reagieren und
  • sich konzentrieren

als unsportliche Altersgenossen. Der Grund: Durch Sport erhöhen Sie die Sauerstoffversorgung Ihres Gehirns; je mehr Sauerstoff Ihre grauen Zellen zur Verfügung haben, umso besser können Sie denken.
Sportarten für die beste Zeit im Leben

Denken Sie immer daran, dass Ihnen der Sport Spaß machen soll. Probieren Sie ruhig Verschiedenes aus, bis Sie „Ihre“ Sportart gefunden haben, bei der Sie bleiben möchten.

  • Wandern oder Walking: Hierbei handelt es sich um ein sehr gutes Ausdauertraining, das sehr gelenkschonend ist. Achten Sie aber darauf, dass Sie es in möglichst flachem Gelände ausüben, auch beim Wandern sollten Sie zwei Stöcke zur Hilfe nehmen. Lassen Sie sich beim Walken die richtige Technik in einem Kurs zeigen – so lernen Sie auch gleich Sportsfreunde kennen. Verzichten sollten Sie auf beide Sportarten allerdings, wenn Sie unter einer schweren Arthrose oder unter Lähmungserscheinungen leiden.
  • Joggen: Laufen ist ebenfalls ein sehr gutes Ausdauertraining; Sie sollten sich aber ebenfalls einer Läufergruppe anschließen. Ich rate Ihnen vom Joggen ab, wenn Sie unter Gelenkverschleiß oder Rückenproblemen leiden.
  • Wassergymnastik, Aquasport: Mit diesen Sportarten bringen Sie Ihren Kreislauf richtig auf Touren und kräftigen Ihre Muskeln schonend. Daher sind diese Sportarten auch für Menschen mit Gelenkproblemen und Übergewicht bestens geeignet. Je nach Aquasport-Art brauchen Sie spezielle Schwimmgeräte wie Schwimmbrett oder eine Weste, die zusätzlichen Auftrieb gibt. Auch hier empfehle ich Ihnen die Teilnahme an einem Kurs, wie er von Schwimm-Meistern oder Schwimmvereinen angeboten wird. Dort lernen Sie zum einen die richtigen Übungen kennen, zum anderen bekommen Sie die Hilfsmittel kostenlos gestellt.
  • Radfahren. Diese Sportart ist sehr gut für Menschen mit Problemen im Rücken und in den Bändern geeignet, da ein Teil Ihres Körpergewichts vom Sattel getragen wird und es keine Erschütterungen gibt. Ich empfehle auch Patienten mit Hüftproblemen, in die Pedale zu treten, denn auch bei diesen machen die fehlenden Erschütterungen das Radfahren zu einem geeigneten Training. Im Einzelfall ist der Sport auch geeignet, wenn Sie unter Kniebeschwerden leiden; dazu sollten Sie aber Ihren Arzt um Rat fragen. Gerade bei Knieproblemen ist es besonders wichtig, dass Sattel- und Rahmenhöhe korrekt eingestellt sind. Ein Sportarzt kann Ihnen hierzu Tipps geben.
  • Skilanglauf ist ein hervorragendes Training für Ihren Kreislauf sowie für Sehnen und Muskeln. Sie sollten aber, wenn Sie noch nie gelaufen sind, die richtige Technik in einem Kurs lernen. In Ski-Orten werden diese angeboten – aber auch örtliche Skivereine können Ihnen weiterhelfen.

Kleine Tipps, die das Skifahren im Alter einfacher machen: Achten Sie darauf, dass Ihre Ski immer gut gewachst sind, dann müssen Sie nicht so viel Kraft aufwenden, sondern gleiten förmlich dahin. Ganz besonders wichtig bei älteren Menschen ist die richtige Stocklänge. Als Faustformel gilt, dass der Stock Ihnen bis zur Schulter reichen sollte.    

Tags: Sporteinstieg Schweinehund

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