Wenn man jemandem bei Tai Chi Chuan zuschaut, hat man das Gefühl, einen Film in Zeitlupe zu sehen: Langsame, fließende Bewegungen ahmen Tiere und Kampfkunsthandlungen nach. Der Ursprung des Tai Chi Chuan liegt im Kampfsport und in der Gesundheitspflege. Heute wird es hauptsächlich als Heilgymnastik, Körpererfahrung und Bewegungsmeditation eingesetzt.
In China gehört Tai Chi Chuan für viele Menschen zum Alltag. Die Chinesen betreiben Tai Chi Chuan meistens noch vor der Arbeit, bevorzugt in einem Park an der frischen Luft.Nach ihrer Ansicht halten die täglichen Übungen das Qi, die Lebensenergie, im Fluss und im Gleichgewicht, aber auch bei uns finden immer mehr Menschen durch diesen fernöstlichen Sport innere Ruhe und Gelassenheit.
Auswirkungen auf Herz und Kreislauf Besonders typisch für das Tai Chi Chuan ist die Entlastung der Pumpfunktion Ihres Herzens durch rhythmische, gleichmäßige Druckveränderungen im Bauchbereich. Die sanfte, ständige Verlagerung des Körpergewichts von einem
auf das andere Bein („zweites Herz“) unterstützt durch den ruhigen Wechsel von Spannung und Entspannung den venösen Rückfluss. Während des gesamten Übens arbeitet Ihr Organismus im aeroben Bereich. Dabei wird die Herzfrequenz nur sanft erhöht. Es kommt nach etwa 20 Minuten zu einer verbesserten Durchblutung der peripheren und tiefen Muskulatur, in der zugleich eine deutlich erhöhte Sauerstoffversorgung messbar ist. Die beständige Aufmerksamkeit und bewusste Koordination kann zu einer verbesserten Sauerstoffversorgung des Gehirns beitragen.
Eine natürliche Bauchatmung begleitet und aktiviert die Tai-Chi-Chuan-Bewegungen, so wird das Zwerchfell kräftiger und flexibel. Die Betonung des sorgfältigen Ausatmens erhöht das aktive Atemvolumen und den Sauerstoffumsatz.Atmungsorgane und ihre Hilfsmuskulatur werden sanft gekräftigt. Die gleichmäßige Tiefenatmung massiert leicht die Bauchorgane. So wird eine Entgiftung des Körpers über die Ausscheidungsorgane begünstigt. Bei den fließenden Tai-Chi-Chuan-Bewegungen ist die Bilanz von Sauerstoffaufnahme und -verbrauch besonders günstig.
In der klassischen Tai-Chi-Chuan-Literatur wird eine aufrechte Haltung beschrieben: der Kopf wie an einem „himmlischen Faden“ aufgehängt bei gleichzeitig durch Entspannung der unteren Rückenmuskeln aufgerichtetem Becken und etwas gebeugten Knien. Dies kann sehr von Vorteil für Menschen mit Rückenproblemen sein. Die Muskulatur im Nacken und Lendenwirbelbereich, die bei „Fehlhaltungen“ zu Verkürzungen neigt, wird sanft gedehnt und die tragende Struktur der Wirbelsäule wird besser genutzt. Jede Bewegung wird mit dem ganzen Körper ausgeführt, dabei von den Beinen und der Hüftmuskulatur unterstützt. Durch verbesserte Koordination können Sie ihre Muskeln viel besser nutzen. Besonders aktiviert und geschult werden Muskeln des Haltungsapparates und die Feinsteuerung der Muskeln, die das Gleichgewicht herstellen. Beim Tai Chi Chuan werden Fuß-, Knie- und Hüftgelenk nur im entlasteten Zustand gedreht, so dass die Gelenke geschont werden. Die Langsamkeit und die nur allmählich erfolgende Steigerung des Bewegungsumfanges mindern das Verletzungsrisiko im
Vergleich zu anderen Sportarten sehr.
Die ruhige, entspannte Atmosphäre der Meditation mit Tai Chi Chuan wirkt ausgleichend auf die Übenden. Die sich zunehmend einstellende Entspannung wirkt sich günstig auf Heilungsprozesse aus. Die Verbesserung des äußeren Gleichgewichts wirkt fördernd auf das innere. Das Üben des Tai Chi Chuan mit Geduld und Gelassenheit
kann sich bei hinreichender Übung auf andere Bereiche, z. B. die Geduld mit sich selbst und heilsame Gelassenheit in Stresssituationen, übertragen. Der häufige Einsatz bestimmter Vorstellungen während der Übungen (z. B. „inneres Lächeln“, „Mühelosigkeit“) im Zusammenspiel mit bestimmten Bewegungsbildern kann Ihr Selbstbewusstsein
stärken. Die Begegnung mit den naturphilosophischen Aspekten des Taoismus kann zum achtsamen, behutsamen Umgang mit sich, anderen und seiner Umwelt beitragen. Dadurch, dass Sie im Tai Chi Chuan lernen, sich zu entspannen und Energien zu sammeln, können Sie mit psychischen Drucksituationen viel besser umgehen. Die Steigerung der vegetativen Funktionen hebt das Allgemeinbefinden.
Das präzise Üben schafft die Möglichkeit, dass Sie Ihren Körper intensiv wahrnehmen. Dadurch verbessern Sie sensorische Mechanismen und die Psycho-Motorik.
Wenn Sie Tai Chi Chuan lernen möchten, brauchen Sie vor allem Geduld. Die Bewegungen, die bei Geübten leicht und geschmeidig aussehen, werden so nicht gleich bei den ersten Versuchen funktionieren. Um Tai Chi Chuan richtig zu erlernen, sollten Sie sich einen Tai- Chi- Chuan-Meister suchen.Kurse werden oft in den örtlichen Volkshochschulen abgehalten, aber auch in Sportvereinen und Kampfsportschulen gehört Tai Chi Chuan teilweise mit zum Kursprogramm.Zudem gibt es auch hier in Deutschland immer mehr Tai-Chi-Chuan-Zentren. Der Unterricht beginnt gewöhnlich mit Aufwärmübungen, dann lernen die Teilnehmer Komponenten einer Form. Eine Form ist eine Folge langsamer Übungen, die nach einem bestimmten Muster ausgeführt
werden. Es gibt kurze Formen, die zwischen 24 und 50 Bewegungen beinhalten, und längere, traditionelle Formen, die bis zu 108 Figuren umfassen. Damit die positiven Effekte von Tai Chi Chuan auf Ihren Körper einwirken können, empfehle ich Ihnen, sich für die Übungen jeden Tag Zeit zu nehmen. Dazu benötigen Anfänger zunächst Disziplin – doch irgendwann gehört es zum Alltag. Und Sie werden staunen: Schon eine kurze „Meditation in Bewegung“ macht Sie richtig frisch
für den ganzen Tag.
BUCHTIPP
Chang, Edward C.: Chinesische Heil- und Entspannungsübungen. Christian Verlag, München 2001, ISBN: 3-88472-498-3
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Heinz Neuenhaus aus Jüchen schreibt:
„Er hat es als Erster geschafft, meine Ernährung zu ändern! Dr. Spitzbart hat nämlich zuvor die biologischen Zusammenhänge im Körper aufgezeigt.“
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