Wenn Ihr Immunsystem verrückt spielt: So werden harmlose Eiweiße zu Feinden Ihres Körpers

Allergien sind mittlerweile eine Volkskrankheit. Jeder Mensch reagiert in seinem Leben mindestens einmal auf einen Stoff mit Hautveränderungen oder Atemproblemen. Dabei ist eine Allergie nur ein großes Missverständnis: Eine Fehlreaktion Ihres Immunsystems führt zu den Symptomen. Ich erkläre Ihnen, warum es zu Allergien kommt.

Jeder dritte Deutsche leidet heute schon unter einer Allergie, Tendenz: steigend. Das liegt nicht nur daran, dass wir immer mehr chemischen Stoffen ausgesetzt sind. Allergien können auch vererbt werden. 60 % der Menschen, deren Eltern beide eine Allergie haben, sind selbst Allergiker.

Abwehrstoffe führen zu Schnupfen, Asthma und Hautrötungen

Eine Allergie entsteht, wenn Ihr Körper bestimmte Stoffe, zum Beispiel Pollen, aufnimmt. Diese werden aber von Ihrem Immunsystem nicht als harmlos erkannt, sondern als gefährliche Fremdstoffe eingestuft. Nun läuft ein perfekt eingespielter Abwehrvorgang in Ihrem Körper ab – nur leider gegen den falschen Feind. Die Mastzellen bilden große Mengen von Abwehrstoffen, den so genannten Immunglobulin E (IgE). IgE reagiert z. B. zusammen mit den Schleimhäuten oder bestimmten Hautzellen und veranlasst diese, Hormone – u. a. das Histamin – auszuschütten. Histamin wiederum führt zu den typischen allergischen Reaktionen: Schwellungen der Schleimhäute, Verengung der Atemwege oder Hautrötungen. Ihre Augen tränen, Ihre Nase läuft, Sie bekommen einen Ausschlag oder sogar einen Asthma-Anfall.

Nach diesem Erstkontakt hat sich das Immunsystem den Stoff gemerkt – es hat ihn als fremd und bedrohlich abgespeichert. Jeder neue Kontakt zum gleichen Stoff löst sofort eine allergische Reaktion aus.

Kleine Eiweißstoffe lösen Allergiesymptome aus

Allergene sind sehr kleine Eiweißstoffe. Sie kommen überall in der Natur vor, nur beim Allergiker führen sie zu heftigen Reaktionen. Mit Allergenen können Sie auf verschiedene Art und Weise in Berührung kommen:

  • über die Atmung (zum Beispiel Pollen, Pilzsporen oder Tierhaare)
  • über die Haut (Duftstoffe, Metalle)
  • oral (Lebensmittelallergene, Arzneimittelallergene)
  • durch Injektionen (Insektenstiche, Medikamente)

Die genauen Ursachen für Allergien sind noch immer ungeklärt

Was genau die Ursache für die Vielzahl der Allergien ist, ist immer noch unbekannt. Wahrscheinlich aber spielt die Hygiene im Kindesalter eine Rolle. Wo alles porentief rein ist, existieren keine Bakterien, an denen das Immunsystem üben und wachsen kann. So reagiert es leichter über, wenn es mit eigentlich harmlosen Stoffen konfrontiert wird. Die Tatsache, dass es in Regionen, in denen die hygienischen Verhältnisse schlechter sind, kaum Allergien gibt, stützt diese Hypothese.

So kann sich Ihre Allergie bemerkbar machen

1. Soforttyp-Allergie: Sofort nach dem Kontakt mit dem Allergen wird dieses an die Immunglobulin-E-Antikörper gebunden. In den Mastzellen wird daraufhin Histamin freigesetzt. Dieser Botenstoff führt zu den allergischen Reaktionen, etwa zu juckenden, tränenden Augen, Schwellungen oder Schnupfen. Allergene, die eine Soforttyp-Allergie hervorrufen, sind

  • Pollenallergie
  • Nahrungsmittelallergie
  • Insektengiftallergie
  • Tierhaarallergie
  • Hausstaubmilbenallergie


2. Zelltoxische Reaktionen:
Bei dieser Allergie-Reaktion dauert es ein paar Minuten bis hin zu einigen Stunden vom Kontakt bis zur Reaktion. Dann werden Immunglobulin-G-(IgG-)- und Immunglobulin-M-(IgM-)-Antikörper freigesetzt. Dadurch wird das so genannte Komplementärsystem aktiviert. Dieser Teil der Immunabwehr besteht aus unterschiedlichen Proteinen. Sie sind in der Lage, körperfremdes Eiweiß anzugreifen, Zellwände zu vernichten und dadurch Fresszellen anzulocken. Diese fehlgeleitete Abwehrreaktion kann die roten und weißen Blutkörperchen zerstören. Als Folge kann deren Zahl stark sinken, bis nur noch wenige vorhanden sind. Diese Art der allergischen Reaktion tritt zum Beispiel nach Transplantationen auf, wenn das transplantierte Organ abgestoßen wird. Auch Autoimmunreaktionen, beispielsweise rheumatoide Arthritis, sind Typ-2-Allergien.

3. Immunkomplex-Reaktion: Erst einige Stunden nach einem Kontakt mit dem Allergen tritt diese Reaktion auf. Zusammen mit dem Allergen bilden die IgG- und IgM-Antikörper einen Komplex. Dieser kann in Ihr Gewebe eindringen. Dort kommt es dann zu Entzündungen – meist in den Wänden von kleinen Blutgefäßen. Häufig kommt diese Reaktion bei der Vogelhalterlunge oder bei allergischen Gefäßentzündungen vor. Immunkomplexe Reaktionen äußern sich durch Husten, Atemnot und Fieber. Hier spricht man von Typ-3-Allergien.

4. Spättyp-Allergie: Bis zu 72 Stunden nach dem Allergenkontakt kommt es hier zu einer allergischen Reaktion. Dabei handelt es sich übrigens nicht um eine klassische Allergie-Entstehung: Immunglobuline sind nicht beteiligt, sondern nur T-Lymphozyten. Diese Abwehrstoffe erkennen Allergene und aktivieren Fresszellen. Werden die Fresszellen aktiv, vernichten sie auch umliegendes Gewebe, wodurch es zum Allergiesymptom kommt. Dabei entstehen rötliche bzw. nässende Ausschläge. Schuld daran sind unter anderem Allergien gegen

  • Latex
  • Chlor,
  • Licht,
  • Metall
  • Putzmittel.

Die häufigsten Allergietypen sind Typ 1 und 4; Typ 2 und 3 treten nur in seltenen Fällen auf.   

Tags: Allergie, Reaktion auf chemische Stoffe, Soforttyp-Allergie, Zelltoxische Reaktion, Immunkomplex-Reaktion

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