Auch Indianer dürfen weinen: Respektieren Sie Ihre Gefühle und bleiben Sie gesund

Gefühle sind ein Teil jedes Menschen. Leider herrscht in unserem Kulturkreis immer noch die Meinung vor, dass sie etwas Privates seien und man sie deshalb nicht offen zeigt. Oft werden sie verheimlicht oder sogar unterdrückt. Aber unterdrücken Sie Ihre Gefühle auf Dauer, werden Sie nicht mehr in der Lage sein, Ihr Leben in all seinen Facetten zu leben und zu genießen. Im schlimmsten Fall erkranken Sie daran. Ich möchte Ihnen Wege zeigen, wie Sie sich Ihrer Gefühle wieder bewusst werden, sie neu entdecken und zulassen können.

Gefühle darf man nicht ausleben, schon gar nicht als Junge bzw. als Mann. Das war lange Jahre ein Leitsatz in der Erziehung – Kinder wurden ermahnt, sogar bestraft, wenn sie Gefühle zu stark zeigten. Das galt vor allem für negative Gefühle. Die Folge: Viele Menschen haben heute regelrecht Angst vor ihren Gefühlen. Ihnen sind eigene Gefühlsausbrüche, aber auch Gefühlsausbrüche anderer Menschen unangenehm. Menschen, die Gefühle zeigen können, gelten als schwach, hys­terisch oder unkontrolliert.

Um ein Hoch zu genießen, müssen Sie auch ein Tief durchleiden können

Es ist nicht möglich, dass Sie nur angenehme Gefühle erleben – auch wenn der Wunsch, nur das Schöne zu sehen, durchaus verständlich ist. Um Ihr Leben wirklich zu leben, müssen Sie alle Gefühle zulassen, traurige und schöne. Lassen Sie unangenehme Gefühle nicht zu, halten Sie einen Teil Ihres Lebens von sich fern. Verdrängen Sie Ihre negativen Gefühle, sind diese nicht wirklich weg. Sie sitzen in Ihrem Unterbewusstsein. Dort können sie Sie sogar krank machen – ewig unterdrückte Trauer kann zu Depressionen oder zu einem Burn-out-Syndrom führen.

Meine 5 Übungen, mit denen Sie sich Ihrer Gefühle bewusst werden

Wenn Sie seit Ihrer Kindheit danach erzogen worden sind, dass Sie Ihre Gefühle für sich behalten sollen, müssen Sie jetzt erst wieder lernen, wie sich unterschiedliche Gefühlsausdrücke äußern und bemerkbar machen. Ich möchte Ihnen dazu fünf Übungen zeigen, mit denen Sie Ihren Gefühlen auf die Spur kommen und sie damit wieder nach außen zeigen können.

  1. Schildern Sie Ihre Gefühle. Diese Übung hat jeder Mensch schon einmal gemacht, auch Sie. Sie haben irgendwann in Ihrem Leben jemandem erzählt, dass es Ihnen gerade gut geht oder dass Sie traurig sind. Ich empfehle Ihnen, dies zu erweitern – schreiben Sie über Ihre Gefühle. Sie brauchen nicht mehr als ein weißes Blatt und einen Stift, dazu rund 30 Minuten Zeit und einen ruhigen Raum. Setzen Sie sich hin. Schließen Sie jetzt Ihre Augen, und hören Sie in sich hinein. Was verspüren Sie? Das kann am Anfang einfach nur eine Empfindung sein, zum Beispiel „müde“. Atmen Sie tief durch und hö­ren Sie weiter in Ihren Körper hi­nein. Wie müde sind Sie? Wie fühlt sich Ihre Müdigkeit an? Sind Sie wohlig müde und zufrieden oder eher erschöpft und ausgelaugt? Was spielt dabei noch eine Rolle? Öffnen Sie Ihre Augen und schreiben Sie all das auf, was Ihnen einfällt. Denken Sie nicht lange über das Geschriebene nach. Es kommt auch nicht darauf an, dass Sie fehlerfrei formulieren und schreiben. Sie sollen einfach nur notieren, was in Ihnen vorgeht. Diese Übung sollten Sie jeden Tag durchführen. Sie müssen sich dann bald schon nicht mehr eine halbe Stunde Zeit nehmen. Ihnen werden sehr schnell fünf bis zehn Minuten reichen, um Ihre Gefühle zu erkennen und sie in Worte zu fassen.
  2. Verleihen Sie Ihren Gefühlen Farbe. Manchmal werden Sie erkennen, dass Ihnen schlicht die Worte fehlen, um ein Gefühl zu beschreiben. Vielleicht liegt es Ihnen dann mehr, sich in Farben und abstrakten Formen auszudrücken. Dafür brauchen Sie Malpapier, mindestens DIN A3, und Farben je nach Ihrem Geschmack: Wachskreide, Acryl-, Wasser- oder Ölfarbe. Versuchen Sie als Erstes ein Gefühl auszudrücken, das Sie besonders stark verspüren. Vielleicht sind Sie den gan­zen Tag schon froh oder wütend. Schließen Sie zu Beginn die Augen, um sich tiefer in das Gefühl hineinzuversetzen. Malen Sie dann einfach drauf­los. Es soll kein Gemälde mit bestimmten Formen oder Gegenständen entstehen. Malen Sie das, was Ihr Inneres Ihnen vorgibt. Ist das ein Bild nur in Blautönen, malen Sie es. Haben Sie den Eindruck, wilde Pinselstriche über das ganze Blatt verteilen zu müssen, machen Sie das. Diese Darstellungsform eignet sich nicht zur Regelmäßigkeit. Vielmehr sollten Sie sie wählen, wenn ein Gefühl da ist, das Sie unbedingt ausdrücken möchten.
  3. Tanzen Sie Ihr Gefühl. Erinnern Sie sich daran, wie Sie sich als junger Erwachsener auf der Tanzfläche gehen lassen konnten? Nichts eignet sich so gut, um Gefühle auszudrücken, wie die Bewegung zur Musik. In der Medizin gibt es die „Tanztherapie“ – hier wird unter anderem die Musik dazu genutzt, Gefühle zu erleben. Nutzen auch Sie das Element dieser Therapie. Sie brauchen dazu nur einen Raum und Ihre Lieblingsmusik. Am Anfang ist es am einfachsten, wenn Sie eine Musik nehmen, die Sie besonders mögen oder die Sie berührt. Wichtig ist, dass Sie alles zur Seite räumen, über das Sie stolpern könnten. Stellen Sie sich dann in die Mitte des Raums, und schließen Sie die Augen. Nun lassen Sie sich einfach zur Musik gehen. Nehmen Sie den Rhythmus wahr, vielleicht einzelne Instrumente. Fangen Sie an, sich zu bewegen. Das können zunächst kleine Bewegungen sein, zum Beispiel eine leichte Gewichtsverlagerung von einem Fuß auf den anderen. Geben Sie allem nach, was Ihr Körper machen möchte: mit den Armen schlenkern, hüpfen, drehen – alles ist erlaubt.
  4. Verleihen Sie Ihrem Gefühl Töne. Lachen oder Weinen – das sind die beiden Geräusche, die am stärksten mit Gefühlen verbunden werden. Dazwischen gibt es aber eine enorme Vielfalt an Geräuschen, die Ihre Gefühle deutlich machen können: seufzen, brummen, zischen – das sind Töne, die zu unterschiedlichen Gefühlen passen. Horchen Sie einmal in sich hinein, und versuchen Sie, Ihrem Gefühl einen Ton zu geben. Wie möchte sich Ihr momentanes Gefühl äußern? Ist es ein zufriedenes Schnurren oder ein böses Grollen? Ist es leise oder laut? Lassen Sie es heraus.
  5. Zeigen Sie Ihr Gefühl. Gerade mit dieser Übung lernen Sie, Ihre Gefühle auch nach außen zu zeigen: Stellen Sie sie dar. Als Vorbild kann Ihnen ein Pantomime-Künstler dienen. Geben Sie mit Gestik, Mimik und Körperbewegungen wieder, wie Sie sich fühlen. Kneifen Sie Ihre Augen zusammen, stampfen Sie mit den Füßen oder legen Sie Ihre Stirn in tiefe Falten. Lassen Sie ruhig große Gesten zu, wenn Ihnen danach ist.

Mit diesen fünf Übungen werden Sie Ihre Gefühle besser kennenlernen. Es wird Ihnen leichter fallen, sie zuzulassen und nach außen auszudrücken. Zwar wird es am Anfang sicherlich ungewohnt für Sie sein, so frei und „hemmungslos“ mit Ihren Gefühlen umzugehen. Ich rate Ihnen aber: Probieren Sie es aus! Sie werden merken, dass Ihr Leben viel facettenreicher wird, wenn Sie auf Ihre Gefühle hören.   

Tags: Gefühle nicht unterdrücken,

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Heinz Neuenhaus aus Jüchen schreibt:

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