Seit letztem Jahr werden auf allen Lebensmitteln in Deutschland die durchschnittlichen Nährwertangaben aufgedruckt. In Form einer Tabelle können Sie Ihrer Nahrung so entnehmen, wie viel(e)
sie pro 100 g enthält. Manchmal kommen noch weitere Angaben dazu, zum Beispiel Ballaststoffe oder Natrium. Sehr interessant – aber was bringen Ihnen diese Werte? Sind Sie wirklich in der Lage zu ermessen, ob 300 Kalorien pro 100 Gramm viel oder wenig sind? Eine weitere Spalte auf den Nahrungsmitteln gaukelt ebenfalls eine Orientierungshilfe vor: die Angabe, wie hoch der Prozentsatz der einzelnen Bestandteile ist, gemessen an Ihrem täglichen Bedarf. So können Sie augenscheinlich sehr einfach zusammenaddieren, ob Sie Ihr Soll an Zucker, Fett und Kalorien schon überschritten haben oder noch nicht.
Aber sind diese Angaben tatsächlich so positiv für Sie als Verbraucher? Ich stehe diesen Tabellen äußerst kritisch gegenüber. Das hat mehrere Gründe:
Der einzige Gewinner dieser Nährwertangaben ist wieder einmal die Industrie. Denn sie schafft es immer noch, den wahren Gehalt an Zucker, gesättigten Fetten und anderen ungesunden Inhaltsstoffen in ihren Produkten zu verschleiern. Und sie wehrt sich auch gegen ein transparenteres System. Das hat zwei einfache Gründe:
Das Traurige: Es gibt längst eine Alternative zur irreführenden Kennzeichnung der Tagesaufnahmen. Dabei handelt es sich um die so genannte Nährwert-Ampel. Diese Ampel hat deutliche Vorteile: Sie ist
Hier werden die Signalfarben Rot (hoch), Gelb (mittel) und Grün (niedrig) genutzt für den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz. Bewertet wird der Gehalt in 100 g und nicht in einer Portion. Eingeteilt wird die Ampel folgendermaßen:
Mit dieser Kennzeichnung würden viele Lebensmittel anders bewertet werden. Exemplarisch hat dies die Organisation Foodwatch durchgeführt. Sie hat 32 beliebig ausgewählte Lebensmittel untersucht und mit der Ampel-Kennzeichnung versehen. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Produkte stark übersüßt waren. Nur zwei erhielten eine grüne Ampel für Zucker, 26 dagegen eine rote.
Wenn die Ampel-Kennzeichnung konsequent angewandt werden würde, könnte sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dem Übergewicht den Kampf anzusagen und es zu vermeiden. Denn Sie als Verbraucher würden erfahren, welche Mengen an Zucker bzw. Fett enthalten sind und hätten so einen Überblick über die Werte, die für Ihre Gesundheit besonders wichtig sind.
Die Bewertung der Organisation Foodwatch hat nicht nur gezeigt, dass viele Lebensmittel hemmungslos übersüßt sind. Vielmehr ergab die Bewertung mit der Ampel auch, dass gerade unter den stark beworbenen Markenartikeln viele Dickmacher zu finden sind. Hierzu gehören unter anderem Fruchtjogurts. Eigentlich gelten gerade diese Jogurts, dann noch in Verbindung mit scheinbar gesundem Obst, als ein Bestandteil gesunder Ernährung. Aber sie sind zu süß und zu fetthaltig. Damit tragen sie zu den Zivilisationskrankheiten bei, die Sie als Verbraucher mit gesunder Ernährung eigentlich vermeiden wollen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Übrigens: Es kann sein, dass Lebensmittel wie Milch oder Öl nie eine Ampel tragen werden. Denn diese soll nur, so der eigentliche Sinn, Auskunft über verarbeitete Produkte geben.
Leider schlägt sich die Politik auf die Seite der Industrie – die Kennzeichnungspflicht für die Nährwert-Ampel wird weiterhin abgelehnt. Der runde Tisch von Verbraucherministerin Aigner, der Anfang Juni stattfinden und sowohl Industrie als auch Verbraucherseite zu einem Kompromiss bewegen sollte, ist kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die offizielle Begründung lautete: gesundheitliche Probleme.
Meine Vermutung geht eher dahin, dass die Ampel-Problematik wieder einmal unter den Tisch fallen sollte. Und das mit Recht. Denn Verbraucherministerin Aigner steht weiterhin zu ihrer Kritik an der Ampel – und das mit fadenscheinigen Argumenten. So erklärte sie die vermeintliche Nutzlosigkeit der Ampel damit, dass Vollkornbrot einen roten Ampelpunkt erhalten würde – Weißbrot dagegen einen gelben. Das mache das ganze System absurd.
Was Frau Aigner verschweigt: Sie wiederholt damit nur Argumente der Industrie gegen die Ampel. Und sie stellt die Ampel wissentlich falsch dar. Denn jedes Produkt erhält durch die Ampel-Kennzeichnung nicht nur einen farbigen Punkt, sondern vier. So bekäme Vollkornbrot einen einzigen roten Punkt – weil es eben viel Salz enthält. Das bedeutet nicht automatisch, dass es ungesund ist. Vielmehr würde damit Menschen signalisiert, die auf eine salzarme Ernährung achten müssen: „Vorsicht, hier könnte für dich persönlich zu viel Salz enthalten sein!“
Die Ampelkennzeichnung würde Ihnen als Verbraucher also nur helfen, sich ausgewogen zu ernähren – gerade wenn Sie auf eine bestimmte Ernährungsweise mit weniger Salz oder Zucker achten müssen bzw. wollen. Sie erfahren, welche Inhaltsstoffe ein Lebensmittel tatsächlich hat, und können sich bewusst und ausgewogen ernähren. Das scheint übrigens auch der Wunsch der Verbraucher zu sein. Umfragen zeigen, dass sich zwei Drittel aller Deutschen die Ampel-Kennzeichnung wünschen. Über 80 % der Verbraucher wären mit der Ampel zudem besser in der Lage, gesunde von ungesunden Lebensmitteln zu trennen.
Leider kann ich Ihnen (noch) nicht empfehlen, die Hersteller zu boykottieren, die keine Nährstoff-Ampel verwenden. Denn es gibt erst einen einzigen Anbieter, der die Ampel auf seine Verpackung aufdruckt: Seit Mai 2009 verwendet die Firma Frosta diese klare, deutliche Kennzeichnung. Natürlich hat das für die Firma eine enorme Werbewirkung, vielleicht auch ein Grund dafür, dass sich die Verantwortlichen bei Frosta für die Ampel entschieden haben. Sie als Verbraucher können aber von dieser Entscheidung nur profitieren. Denn ich erwarte hiervon eine Symbolwirkung. Andere Firmen werden bald folgen – und dann können auch Sie als Verbraucher gezielt auswählen, welche tatsächlich gesunden Lebensmittel auf Ihrem Tisch landen.
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Gehirnzellen können sich nicht teilen, Demenz sind wir machtlos ausgeliefert, im sauren Magen können keine Bakterien überleben. Das alles sind Mythen, die schon längst auf dem Schrotthaufen der Medizingeschichte gelandet sind. [mehr]
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Heinz Neuenhaus aus Jüchen schreibt:
„Er hat es als Erster geschafft, meine Ernährung zu ändern! Dr. Spitzbart hat nämlich zuvor die biologischen Zusammenhänge im Körper aufgezeigt.“
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