Rot, Gelb oder Grün statt Tageszufuhr: Wann wird die Nährwert-Ampel endlich Standard in Deutschland?

„Erster Lebensmittelhersteller führt Nährwert-Ampel ein“, hieß es im letzten Monat. Na, herzlichen Glückwunsch, Deutschland. Im Ausland ist diese Angabe in Ampelform bereits Standard und sehr beliebt. Hier zu Lande dagegen wird diese verbraucherfreundliche Form der Nährwertangabe immer noch von Politik und Industrie boykotiert. Ich erkläre Ihnen, wie das Alternativmodell der „Tageszufuhr“, das auf unsere Lebensmittel gedruckt wird, zu bewerten ist. Zudem erfahren Sie, warum die Ampel so viel besser für Ihre Gesundheit wäre.

Seit letztem Jahr werden auf allen Lebensmitteln in Deutschland die durchschnittlichen Nährwertangaben aufgedruckt. In Form einer Tabelle können Sie Ihrer Nahrung so entnehmen, wie viel(e)

  • Kalorien,
  • Eiweiß,
  • Kohlenhydrate und Zucker,
  • Fette und gesättigte Fettsäuren

sie pro 100 g enthält. Manchmal kommen noch weitere Angaben dazu, zum Beispiel Ballaststoffe oder Natrium. Sehr interessant – aber was bringen Ihnen diese Werte? Sind Sie wirklich in der Lage zu ermessen, ob 300 Kalorien pro 100 Gramm viel oder wenig sind? Eine weitere Spalte auf den Nahrungsmitteln gaukelt ebenfalls eine Orientierungshilfe vor: die Angabe, wie hoch der Prozentsatz der einzelnen Bestandteile ist, gemessen an Ihrem täglichen Bedarf. So können Sie augenscheinlich sehr einfach zusammenaddieren, ob Sie Ihr Soll an Zucker, Fett und Kalorien schon überschritten haben oder noch nicht.

Wie aussagekräftig sind solche Nährwertangaben wirklich?

Aber sind diese Angaben tatsächlich so positiv für Sie als Verbraucher? Ich stehe diesen Tabellen äußerst kritisch gegenüber. Das hat mehrere Gründe:

  • Der für die Prozentangaben zugrunde gelegte Tagesbedarf ist nicht zeitgemäß. Denn er bezieht sich auf eine bestimmte Kalorienmenge pro Tag. Häufig ist das eine Aufnahme von 2.000 Kalorien. Wer aber hat solch einen hohen Kalorienbedarf pro Tag? Der moderne Mensch, der den Großteil des Tages sitzend verbringt, eher nicht. So wird der Bedarf bei den kritischen Faktoren Zucker und Fett künstlich erhöht.
  • Die Portionsgrößen sind unrealistisch. Im ersten Moment scheint es nicht so schlimm zu sein, eine Portion Conflakes zu essen, die „nur“ 11 % Ihres Zuckerbedarfs deckt. Aber was ist eine Portion? In diesem Beispiel handelt es sich um 30 Gramm. Würden Sie davon satt? Auch hier wird die Bemessungsgrundlage zu niedrig angesetzt, und es wird verschleiert, wie ungesund die Nahrung wirklich ist.
  • Die Nährwertangaben sind nicht verbraucherfreundlich dargestellt: Gehalt und Prozentangaben sind in nur millimetergroßer Schrift aufgedruckt.

Nur die Industrie profitiert von dieser Kennzeichnung

Der einzige Gewinner dieser Nährwertangaben ist wieder einmal die Industrie. Denn sie schafft es immer noch, den wahren Gehalt an Zucker, gesättigten Fetten und anderen ungesunden Inhaltsstoffen in ihren Produkten zu verschleiern. Und sie wehrt sich auch gegen ein transparenteres System. Das hat zwei einfache Gründe:

  1. Der Verbraucher würde dadurch erkennen, welche Lebensmittel wirklich ungesund sind. Diese blieben in den Regalen stehen – Umsatzeinbußen wären die Folge. Die Industrie müsste zudem neue Rezepturen für gesündere Produkte entwickeln. Und das kostet viel Geld.
  2. Zucker und gehärtete Fette sind billige Rohstoffe. So können Lebensmittel preiswert produziert, aber teuer verkauft werden. Wenn Ihnen deutlich gemacht würde, wie viel von den ungesunden Stoffen in einem Lebensmittel enthalten ist, würden Sie es wahrscheinlich nicht kaufen. Die billigen Ersatzstoffe müssten durch teure Stoffe ersetzt werden.

Die Nährwert-Ampel könnte Ihnen bei der Lebensmittel­auswahl helfen

Das Traurige: Es gibt längst eine Alternative zur irreführenden Kennzeichnung der Tagesaufnahmen. Dabei handelt es sich um die so genannte Nährwert-Ampel. Diese Ampel hat deutliche Vorteile: Sie ist

  • klar abgefasst,
  • auf den ersten Blick auch von Laien auszuwerten,
  • leicht erfassbar,
  • einheitlich, wenn es um Portionsgrößen geht.


Hier werden die Signalfarben Rot (hoch), Gelb (mittel) und Grün (niedrig) genutzt für den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz. Bewertet wird der Gehalt in 100 g und nicht in einer Portion. Eingeteilt wird die Ampel folgendermaßen:

Mit dieser Kennzeichnung würden viele Lebensmittel anders bewertet werden. Exemplarisch hat dies die Organisation Foodwatch durchgeführt. Sie hat 32 beliebig ausgewählte Lebensmittel untersucht und mit der Ampel-Kennzeichnung versehen. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Produkte stark übersüßt waren. Nur zwei erhielten eine grüne Ampel für Zucker, 26 dagegen eine rote.

Die Ampel steht auf „Rot“ für alle Dickmacher

Wenn die Ampel-Kennzeichnung konsequent angewandt werden würde, könnte sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dem Übergewicht den Kampf anzusagen und es zu vermeiden. Denn Sie als Verbraucher würden erfahren, welche Mengen an Zucker bzw. Fett enthalten sind und hätten so einen Überblick über die Werte, die für Ihre Gesundheit besonders wichtig sind. 

Die Bewertung der Organisation Foodwatch hat nicht nur gezeigt, dass viele Lebensmittel hemmungslos übersüßt sind. Vielmehr ergab die Bewertung mit der Ampel auch, dass gerade unter den stark beworbenen Markenartikeln viele Dickmacher zu finden sind. Hierzu gehören unter anderem Fruchtjogurts. Eigentlich gelten gerade diese Jogurts, dann noch in Verbindung mit scheinbar gesundem Obst, als ein Bestandteil gesunder Ernährung. Aber sie sind zu süß und zu fetthaltig. Da­mit tragen sie zu den Zivilisationskrankheiten bei, die Sie als Verbraucher mit gesunder Ernährung eigentlich vermeiden wollen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Übrigens: Es kann sein, dass Lebensmittel wie Milch oder Öl nie eine Ampel tragen werden. Denn diese soll nur, so der eigentliche Sinn, Auskunft über verarbeitete Produkte geben.

Lässt die Politik die Ampel wieder einmal unter den Tisch fallen?

Leider schlägt sich die Politik auf die Seite der Industrie – die Kennzeichnungspflicht für die Nährwert-Ampel wird weiterhin abgelehnt. Der runde Tisch von Verbraucherministerin Aigner, der Anfang Juni stattfinden und sowohl Industrie als auch Verbraucherseite zu einem Kompromiss bewegen sollte, ist kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die offizielle Begründung lautete: gesundheitliche Probleme.

Meine Vermutung geht eher dahin, dass die Ampel-Problematik wieder einmal unter den Tisch fallen sollte. Und das mit Recht. Denn Verbraucherministerin Aigner steht weiterhin zu ihrer Kritik an der Ampel – und das mit fadenscheinigen Argumenten. So erklärte sie die vermeintliche Nutzlosigkeit der Ampel damit, dass Vollkornbrot einen roten Ampelpunkt erhalten würde – Weißbrot dagegen einen gelben. Das mache das ganze System absurd.

Stimmungsmache gegen die Ampel – mit falschen Argumenten

Was Frau Aigner verschweigt: Sie wiederholt damit nur Argumente der Industrie gegen die Ampel. Und sie stellt die Ampel wissentlich falsch dar. Denn jedes Produkt erhält durch die Ampel-Kennzeichnung nicht nur einen farbigen Punkt, sondern vier. So bekäme Vollkornbrot einen einzigen roten Punkt – weil es eben viel Salz enthält. Das bedeutet nicht automatisch, dass es ungesund ist. Vielmehr würde damit Menschen signalisiert, die auf eine salzarme Ernährung achten müssen: „Vorsicht, hier könnte für dich persönlich zu viel Salz enthalten sein!“

Die Ampelkennzeichnung würde Ihnen als Verbraucher also nur helfen, sich ausgewogen zu ernähren – gerade wenn Sie auf eine bestimmte Ernäh­rungsweise mit weniger Salz oder Zucker achten müssen bzw. wollen. Sie erfahren, welche Inhaltsstoffe ein Lebensmittel tatsächlich hat, und können sich bewusst und ausgewogen ernähren. Das scheint übrigens auch der Wunsch der Verbraucher zu sein. Umfragen zeigen, dass sich zwei Drittel aller Deutschen die Ampel-Kennzeichnung wünschen. Über 80 % der Verbraucher wären mit der Ampel zudem besser in der Lage, gesunde von ungesunden Lebensmitteln zu trennen.

Ein Boykott ist (noch) nicht möglich

Leider kann ich Ihnen (noch) nicht empfehlen, die Hersteller zu boykottieren, die keine Nährstoff-Ampel verwenden. Denn es gibt erst einen einzigen Anbieter, der die Ampel auf seine Verpackung aufdruckt: Seit Mai 2009 verwendet die Firma Frosta diese klare, deutliche Kennzeichnung. Natürlich hat das für die Firma eine enorme Werbewirkung, vielleicht auch ein Grund dafür, dass sich die Verantwortlichen bei Frosta für die Ampel entschieden haben. Sie als Verbraucher können aber von dieser Entscheidung nur profitieren. Denn ich erwarte hiervon eine Symbolwirkung. Andere Firmen werden bald folgen – und dann können auch Sie als Verbraucher gezielt auswählen, welche tatsächlich gesunden Lebensmittel auf Ihrem Tisch landen.    

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Gehirnzellen können sich nicht teilen, Demenz sind wir machtlos ausgeliefert, im sauren Magen können keine Bakterien überleben. Das alles sind Mythen, die schon längst auf dem Schrotthaufen der Medizingeschichte gelandet sind.  [mehr]


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Heinz Neuenhaus aus Jüchen schreibt:

„Er hat es als Erster geschafft, meine Ernährung zu ändern! Dr. Spitzbart hat nämlich zuvor die biologischen Zusammenhänge im Körper aufgezeigt.“
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