Risiko Selbstmedikation: So nehmen Sie Medikamente richtig ein
Gerade bei leichteren Beschwerden wie Erkältungen oder Magenproblemen tendieren viele Menschen dazu, sich selbst zu behandeln. Nicht immer werden dabei nur bewährte Hausmittel eingesetzt. Häufig kommen auch rezeptfreie Medikamente zum Einsatz. Aber obwohl Sie sich diese in der Apotheke ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt kaufen können, dürfen Sie „rezeptfrei“ nicht immer gleichsetzen mit „unproblematisch“. Ich erkläre Ihnen, was Sie bei der Selbstmedikation beachten müssen. So werden Ihre Beschwerden verschwinden, ohne dass die Behandlung gefährlich für Sie wird.
Würden Sie bei einem kleinen Schnupfen gleich zum Arzt gehen? Sicherlich nicht. Bestimmt auch dann nicht, wenn erkältungsbedingt noch Halsschmerzen hinzukommen und Sie husten müssen. Wozu auch? Es gibt ja frei verkäufliche Medikamente, die Ihnen bei diesen Beschwerden helfen können.
Aber Vorsicht: Viele Menschen sind der Meinung, dass alles, was in der Apotheke ohne Rezept erhältlich ist, harmlos sei und sie es einfach so ohne Bedenken einnehmen könnten. Tabletten, Säfte und Tropfen werden dann nach Gutdünken kombiniert und dosiert. Und in den wenigsten Fällen lesen die Patienten den Beipackzettel komplett durch.
Rezeptfreiheit ist für Sie kein Freifahrtschein
Diese Nachlässigkeit kann gesundheitsgefährdend für Sie werden. Bedenken Sie: Auch Mittel, die rezeptfrei sind, haben eine Wirkung – deshalb wenden Sie sie ja auch an. Und Wirkungen können je nach Anwendungsart und Dosierung von „leicht“ bis „lebensgefährlich“ schwanken. Achten Sie also im Umgang mit diesen Medikamenten darauf, sich nicht selbst zu gefährden – ich zeige Ihnen einige wichtige Regeln dazu.
So nehmen Sie rezeptfreie Medikamente richtig ein
Auf folgende Punkte sollten Sie bei der Selbstmedikation achten:
- Nehmen Sie Tabletten nur mit ausreichend Flüssigkeit zu sich. Versuchen Sie nicht, Tabletten aus Gelatine oder Filmtabletten „pur“ zu schlucken. Der Überzug kann dafür sorgen, dass diese Mittel in der Speiseröhre kleben bleiben. Stattdessen sollten Sie sie mit ausreichend Flüssigkeit herunterspülen: Trinken Sie mindestens 200 ml, also ein Glas voll.
- Wählen Sie die richtige Flüssigkeit aus. In den meisten Fällen ist Wasser dafür ideal. Medikamente, die den Magen reizen können, also z. B. Mittel, die Acetylsalicylsäure enthalten, können Sie auch mit Milch einnehmen. Diese kleidet den Magen aus und schützt ihn. Dagegen sollten Sie bei der Einnahme von Antibiotika auf Milch verzichten. Generell ungeeignet als Flüssigkeit für die Medikamentenaufnahme sind Tees, Kaffee sowie Säfte, weil sie mit bestimmten Inhaltsstoffen reagieren können. Machen Sie auf jeden Fall auch einen großen Bogen um Grapefruits und Grapefruitsaft. Dieser kann die Wirkung von Medikamenten verstärken, weil durch die Wirkstoffe der Grapefruit ein Leberenzym gehemmt wird, das die Stoffe der Arzneimittel abbaut.
- Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an. Fast alle Medikamente können Sie sowohl vor als auch nach den Mahlzeiten einnehmen – es sei denn, Ihr Arzt oder Apotheker hat Ihnen im Beratungsgespräch etwas anderes gesagt. Beide Zeitpunkte haben ihre Vor- und Nachteile. Nehmen Sie Medikamente vor dem Essen, wirken sie schnell. Das ist positiv, wenn es Ihnen auf eine rasche Wirkung ankommt. Leider sind die Arzneimittel dann weniger magenfreundlich. Ein voller Magen dagegen verlangsamt die Wirkstoffaufnahme. Zudem werden die Wirkstoffe nicht komplett ins Blut übernommen. Viele Medikamente aber können Sie besser vertragen, wenn Sie sie nach dem Essen einnehmen. Hierzu gehören unter anderem Schmerzmittel, aber auch Rheumamittel. Diese sind generell sehr magenunfreundlich. Müssen Sie dagegen Antibiotika nehmen, sollten Sie sie mit viel Wasser auf nüchternen Magen schlucken. Bei ihnen kommt es darauf an, dass sie schnell und vollständig ins Blut übergehen.
Was verrät Ihnen die Darreichungsform?
Bestimmte Medikamentenbezeichnungen geben vor, wie Sie die Mittel einzunehmen haben. Grundsätzlich gilt:
- Brausetabletten in einem Glas (200 ml) Wasser auflösen und rasch trinken. Die Tabletten trocken aufbewahren.
- Lutschtabletten durch Lutschen komplett auflösen, nicht zerbeißen oder Stücke herunterschlucken.
- Buccaltabletten in der Wange langsam zergehen lassen, nicht zerkauen.
- Sublingualtabletten unter der Zunge zergehen lassen. Auch hier nicht zerbeißen oder normal lutschen.
- Zuckertabletten durch Lutschen ebenfalls komplett auflösen.
- Zerbeißkapseln zerbeißen und die Lösung im Mund behalten. Erst nach einiger Zeit (im Beipackzettel angegeben) schlucken.
- Rektalkapseln in den After einführen.
- Vaginalkapseln in die Scheide einführen.
Nicht jede Tablette dürfen Sie teilen
Rund ein Viertel aller Tabletten, die in Deutschland verschrieben werden, werden geteilt. Meist sind das Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zur Blutverdünnung oder für einen niedrigen Cholesterinspiegel. Die Gründe für das Teilen dafür sind verschieden. Es kann sein, dass die benötigte Dosis nicht in der Standardgröße vorhanden ist, sondern durch die Teilung angepasst wird. Manche Menschen teilen ihre Tabletten aber auch, damit sie sie besser einnehmen können. Beides kann problematisch sein, denn nicht alle Tabletten sind zum Teilen geeignet. Gerade die Mittel, die mit einer speziellen Schicht versehen sind, die sie vor dem Magensaft schützen soll, dürfen nicht geteilt werden.
Warum? Tritt der Wirkstoff bereits im Magen aus, wird er dort zerstört, und das Mittel kann nicht wirken. Handelt es sich um sogenannte Retard-Tabletten, die also nach und nach ihren Wirkstoff freisetzen, kann das Teilen zu einer kürzeren Wirkungsdauer führen. Dadurch wird das Risiko von Nebenwirkungen erhöht. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Tabletten Sie teilen dürfen und welche nicht. Eventuell muss er nach einer anderen Medikation für Sie suchen.
Übrigens: Nicht jedes Medikament, das eine Kerbe aufweist, können Sie teilen. Meist handelt es sich nur um eine sogenannte Schmuck-Kerbe. In diesem Fall nehmen Sie ebenfalls eine zu geringe Wirkstoffmenge zu sich, wenn Sie die Tabletten einfach halbieren.
Wichtige Regeln für Ihre Selbstmedikation
Sie sehen: Auch wenn frei verkäufliche Medikamente es Ihnen leicht machen, sich selbst zu behandeln – Sie sollten auf jeden Fall einige Regeln einhalten. Achten Sie auf Folgendes:
- Greifen Sie bei leichten Beschwerden nicht gleich zu Medikamenten. Viele Alltagsbeschwerden können Sie mit Hausmitteln in den Griff bekommen (siehe auch Dr. Spitzbart’s Gesundheits-Praxis, Dezember 2008).
- Behandeln Sie immer nur die Beschwerden mit Medikamenten, bei denen Sie die Ursachen kennen. Wenn Sie beispielsweise aufgrund von fettem Essen unter Durchfall leiden oder eine Erkältung zu Kopfschmerzen führt, können Sie sich selbst behandeln.
- Lassen Sie Beschwerden, deren Ursachen Sie nicht kennen oder sich nicht erklären können, vom Arzt abklären. Hierzu gehören zum Beispiel plötzlich und ohne Grund auftretende Magenprobleme.
- Gehen Sie zum Arzt, wenn Ihre Beschwerden nach drei bis vier Tagen immer noch andauern bzw. sich nicht gebessert haben.
- Ein Fall für den Arzt sind Sie auch, wenn Ihre Beschwerden sehr stark sind oder ungewohnte Zusatzprobleme auftreten.
- Hohes Fieber, starke Durchfälle oder Sehstörungen sind ebenfalls Situationen, in denen Sie Ihren Arzt aufsuchen sollten.
- Lassen Sie sich in der Apotheke immer erst beraten, bevor Sie einfach irgendein Arzneimittel kaufen.
- Lesen Sie auf jeden Fall auch den Beipackzettel. Wichtig für Sie ist die richtige Dosierung, in welchen Fällen Sie das Mittel wegen Wechselwirkungen oder anderen vorhandenen Krankheiten nicht anwenden dürfen und was Sie bei der Einnahme beachten müssen.
- Nehmen Sie regelmäßig vom Arzt verschriebene Medikamente ein, sollten Sie mit einer Selbstmedikation vorsichtig sein. Klären Sie lieber mit dem Arzt ab, ob sich diese Arzneimittel mit den von Ihnen gekauften vertragen. Es kann nämlich zu Wechselwirkungen kommen. Dabei kann die Wirksamkeit der Präparate kann sich verstärken oder geschwächt werden.
Tags: Selbstmedikation, rezeptfreie Arzneimittel,
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